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Ein Rückblick auf die Werkschau an der MD.H München

Zum 17. Mal in Folge fand anlässlich des Studienabschlusses die jährliche Werkschau der MD.H München statt. Das stimmungsvolle Ambiente der Ausstellungs-Location „whiteBOX“ im Werksviertel bildete den perfekten Rahmen für die zweitägige Präsentation von Abschluss- und Semesterprojekten der kreativen Fachbereiche Digital Film Design, Game Design, Media Design und Modedesign. Mit der zweitätigen Werkschau, die auch eine Modenschau umfasste, war die MD.H Programmpartner der Munich Creative Business Week (MCBW). Entsprechend vielfältig waren auch die zahlreichen Besucher – neben den Branchenvertretern, Alumni, Studenten und Professoren kamen auch zahlreiche designinteressierte Besucher und trugen zur gelungenen Atmosphäre bei.

Die große Vielfalt der gezeigten Exponate auf konzentriertem Raum machte den besonderen Charme dieser Werkschau aus: klassisches Grafik- und Kommunikationsdesign mit den Schwerpunkten Typografie, Corporate Design, Illustration sowie Fotodesign fand seinen Platz neben Interface Design, einem Motion Design Projekt sowie zukunftsweisenden, interaktiven Applikationen bis hin zu animierten Filmsequenzen, Computerspielen für PC, Konsolen, Tablets und Virtual Reality. Gemäß dem diesjährigen Motto der MCBW „Design Connects – The Smart Revolution“ war die ganze Ausstellung eine Symbiose aus Design und moderner Technologie.

Die Werkschau wurde am Dienstagabend mit einer Vernissage eröffnet und am Mittwochvormittag bis in die frühen Nachmittagsstunden mit einer Matinee weitergeführt, auf der Projektvorstellungen das besondere Highlight waren. Am Abend erstrahlte die „whiteBOX“ dann für den MD.H Catwalk in reinem Weiß.

Höhepunkte der Vernissage

Die diesjährige Präsentation beinhaltete zahlreiche auffallende Arbeiten, aber das vielleicht auffälligste Feature bildete das geschlossene harmonische Nebeneinander der unterschiedlichen Exponate. Besucher erlebten so eine Vielfalt von Themen und Genres auf engstem Raum, und so mancher Besucher erlebte auch Exponate, die vielleicht vorher gar nicht in seinem Blickwinkel gewesen waren.

Die 33 Exponate und ihre kreativen Macher erhielten daher von den Besuchern insgesamt viel Beachtung. Die Ausstellung beinhaltete zwei Applikationen, die Interaktionen von Mensch und Technologie sichtbar machen: bei der Bachelor-Arbeit „Projekt Black Box“ der Media Design-Absolventen Manuel Schäfer und Florian Schmidt resultierte das Betrachten und Interagieren mit einer Webanwendung in digitale Muster auf einer sich spiegelnden Oberfläche und generierte damit den Eindruck von Endlosigkeit und Schwerelosigkeit im Raum. Bei der interaktiven Tanzszenografie „Invisible Lines“ reagierte die Computeranwendung, die als Bachelor-Arbeit von den Design-Absolventinnen Veronika Disl, Paulina Maider und Feyza Yer entwickelt wurde, auf die Bewegungen von fünf Modern Arts Tänzer, die am Ausstellungsabend tänzerische Interpretationen aus der Choreografie „Invisible Lines“ von Johannes Härtl zum Besten gaben und das Publikum mit ihren ausdrucksstarken Bewegungen faszinierten.

Mit der Motion Design Anwendung „Info 2.0 – Informationsflut im postfaktischen Zeitalter“ von Julian Schöll zum Thema Stress im modernen Kommunikationsalltag konnten die Besucher den Einfluss von Stress auf ihren Körper mittels Ton und Bild förmlich spüren. Jochanan Hermann, Christoph Reinwardt und Stefan Stork mussten ihre Arbeit zum Thema Schule der Zukunft auf einem interaktiven Tisch unablässig erklären – nur gut, dass sich die drei Absolventen, die das Interface Design für ihre Bachelor-Arbeit „Das Ende der Kreidezeit“ entwickelt hatten, dabei abwechseln konnten.

Auch ein klassisches Magazin zog viele Blicke auf sich: durch eine ungewöhnliche Bildsprache und die humorvolle Annäherung an das Thema Heimat erhielt die Bachelor-Arbeit „Hoamatgfui“ von Stephanie Dehler viel Aufmerksamkeit und weckte Begehrlichkeiten. Die „Visualisierung von Schwärmen“ von Design-Absolventin Evgenia Trishkina wurde zwar im klassischen Druck realisiert, aber mit ihrer unendlichen Variation und faszinierenden Formensprache war diese Bachelor-Arbeit alles andere als klassisch.

Besonderes Interesse zeigten Besucher für die Live-Präsentation von Studierenden des Fachbereiches Digital Film Design, die eine 3D-Character-Animation greifbar machten und erklärten, worauf es dabei ankommt.

Viel Spaß hat den Besuchern die auch optisch gut gelungene Präsentation der Game Design-Studenten gemacht: bei den klassischen Brawlern für Konsolen „Biophosis“ und „The Chronicles of Zuro“ wurde den ganzen Abend vor den Bildschirmen gezockt, während die Besucher mit den beiden Spieleanwendungen für Virtual Reality „Runecast Defender“ und „Michiko“ ganz besonders intensive Szenarien eintauchten.

Matinee

Die Matinee am Mittwochvormittag war geprägt von Projektvorstellungen aus den verschiedenen Fachbereichen. Diese Projekte hatten einen gemeinsamen Faktor: sie waren in Zusammenarbeit mit einen Kooperationspartner außerhalb der Hochschule entstanden.

Das erste Projekt wurde von Prof. Arnold Gevers aus dem Fachbereich Modedesign präsentiert.Er beschrieb einespannende Zusammenarbeit mit der bekannten Münchner Designerin Doris Hartwich und dem Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim), die sich mit der Frage beschäftigte, wie sich eine Damenmodelinie von einer Herrenmodelinie ableiten lässt. Die Studierenden haben in ihrer Seminararbeit für eine eigens definierte Zielgruppe, den „HARTWIG SOHN“ und dessen Freundin, eine Kollektion entworfen. Das „ tim“ bot ihnen die seltene Möglichkeit, eigene Stoffmuster weben zu lassen, und so wurden zwei Jacquardwebmotive realisiert, die in die Kollektion einflossen. Die Kollektion wurde abends im Rahmen des MD.H Catwalk gezeigt.

Mit der „Neugestaltung des Erscheinungsbildes für das Museum der Moderne Salzburg“ stellte Media Design Absolventin Carolin Ganterer ihre typografisch anspruchsvolle Bachelor-Arbeit vor.

Mit der dritten Projektvorstellung tauchten die Besucher in das wissenschaftliche Thema der „ Immersion in Virtual Reality“ ein. Prof. Dr. Christoph Minnameier (MD.H) führte in die aktuelle Thematik aus Sicht der Spieleentwicklung bzw. der Entwicklung von VR-Projekten für die Industrie, Lehre und Medizin ein. Dr. Julia Föcker vom Lehrstuhl für klinische Neuropsychologie der LMU stellte die Versuchsszenarien vor, die im Rahmen des Kooperationsprojektes zwischen beiden Hochschulen zur Analyse von menschlichen Verhalten unter dem Einfluss von Virtual Reality zur Anwendung kommen.

Die in der Werkschau so spielerisch anmutende Forschungsarbeit „Invisible Lines“ zur Entwicklung einer intermedialen Tanzszenografie in Kooperation mit dem Münchner Choreografen Johannes Härtl entpuppte sich bei einem Blick hinter die Kulissen als eine komplexe Entwicklungsaufgabe für das Absolventinnen-Team Veronika Disl, Paulina Meider und Feyza Yer. Ein besonderes Highlight für die Absolventinnen war der Einsatz ihrer Bachelor-Arbeit als interaktive Kulisse in der aktuellen Tanztheater-Aufführung „Invisible Lines“ in München. Für die Zuschauer war der krönende Abschluss der Matinee eine getanzte Kostprobe aus dem Stück durch einen Modern Arts Tänzer.

In den vergangenen 17 Jahren wurde die MD.H Werkschau lediglich zwei Mal außerhalb der Hochschulräume veranstaltet. In 2009 ist die MD.H von der Berg-am-Laim-Straße an den neuen Standort auf den Campus „neue Balan“ gezogen und die Hochschule glich noch einer Baustelle. Auch in diesem Jahr war eine Baustelle in der Hochschule der Grund für die externe Location, denn auf dem bisher vierstöckigen Hochschulgebäude wird bis September eine fünfte Etage gebaut. Die Entscheidung für die „whiteBOX“ und das Werksviertel fiel vor dem Hintergrund, dass die Location Treffpunkt von Kunst, Kreativität, Gesellschaft und Technologie ist, das Werk 1 mit einigen Game Design Start-ups ohnehin eine große Nähe zur MD.H hat und im nahegelegenen „Mediaworks“ zahlreiche Unternehmen und Agenturen berufliche Heimat für Studierenden und Absolventen geworden sind. In diesem Sinne war die 17. MD.H Werkschau ein Veranstaltungs-Highlight.

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