Im Fokus

Designer im fluiden Raum – wenn Interaktion natürlich wird

Jochen Klaus entwickelte in seiner Bachelor-Thesis ein intuitives-,
3-Dimensionales Natural Interface namens »Ionic«. Seine Idee war es, Intuition in einem quadratischen Interface – als Türe zu einem unbekannten Raum – auf einer Metaebene erfahrbar zu machen. Dem Interface liegt die Flüssigkeit Ferrofluid zu Grunde, die waagerecht in das Becken einer Stele einglassen und über Infraroterkennungs-Technologie und Elektromagneten gesteuert wird. Der mittels Lautsprache, Gestik und Berührung interagierende Benutzer erzeugt auf diese Weise temporäre-, fluide Skulpturen.

Abb. 1: Installation »Ionic _ Experiment Interface«, mit Konzeption

Abb. 1: Installation »Ionic _ Experiment Interface«, mit Konzeption

Natural User Interfaces

Im Übergang vom Digitalen- in das Nano-Zeitalter rücken an der Schnittstelle von Design, Informatik, Ingenieurwissenschaften und Biologie zunehmend grenzüberschreitende biomorphe Designprozesse in den Fokus. »Was in den Achtzigern des vorigen Jahrunderts das Internet war, ist heute die Biotechnologie« sagt Joi Ito, Chef des Medialabs am Massachusetts Institute of Technology in Boston. Der Internetvisionär sieht Chromosomen als Speicher- und Progammiermedien der Zukunft. Er prognostiziert, dass man anstatt einer Produktion mit 3D-Druckern, in einigen Jahren Objekte einfach wachsen lassen könne. [1]
Natural User Interfaces (NUIs) sind vorboten dieser Entwicklung. Die Bedienung der NUIs soll intuitiv und unmittelbar über die Sinne des Benutzers erfolgen, eine vorherige Anleitung überflüssig machen. Als natürliche Interaktionsformen bieten sich hierbei die Sprach-, Gesten- und Bewegungssteuerung an, sowie das Brain-Computer-Interface, einer zukunftsweisenden Option Systeme mit Gedankenkraft zu navigieren.

Ionic – technische ­Grundlagen

Ferrofluid ist eine Flüssigkeit, die sich über Magnetfelder formen lässt. Die Mechanik des Interface funktioniert nach folgendem Prinzip: Die X-, Y-, und Z-Koordinaten einer Interaktion über Geste oder Berührung werden von einem Controller für Gestensteuerung (Leap Motion) aufgezeichnet. Ein Elektromagnet folgt auf mechanischem Wege den Bewegungskoordinaten der Hand und erzeugt in der Flüssigkeit entsprechende skulpturale Reaktionen ohne zu verfestigen. Die Stärke der Ausformung wird über die Z-Achse-Koordinaten reguliert. Eine Berührung wird ebenfalls über den Leap Motion Controller interpretiert. Auch hier werden die X- und Y-Koordinaten für die Position der Hand ermittelt. Über die Z-Koordinate wird der Bereich knapp über dem Rahmen, der das Ferrofluid umgibt, aufgenommen. Wird der Finger erkannt, bewegt sich der Magnet an sein Position und gibt einen Impuls ab. Geräusche, Töne und Klänge werden mit einem Mikrophon aufgenommen, die digitalisierten Tonmuster dann verstärkt und als Stromimpulse an den Elektromagneten weitergeleitet. [2]

Abb. 2: Einfüllen der Flüssigkeit Ferrofluid in das quadratische Becken. Eine zeitgemäße Reflexion des schwarzen Quadrats auf weißem Grund des Suprematisten Kasimir Malewitsch.

Abb. 2: Einfüllen der Flüssigkeit Ferrofluid in das quadratische Becken. Eine zeitgemäße Reflexion des schwarzen Quadrats auf weißem Grund des Suprematisten Kasimir Malewitsch.

Abb. 3: Testphase erster Musterbildungsprozesse mit Ferrofluid. Nanopartikel aus Eisen und Magnetit schweben in einer Trägerflüssigkeit und werden über Magnetfelder in deren Richtung zu dreidimensionalen Formen ausgelenkt. Jochen Klaus, Konzeption Ionic _ Experiment Interface, S.40–43

Abb. 3: Testphase erster Musterbildungsprozesse mit Ferrofluid. Nanopartikel aus Eisen und Magnetit schweben in einer Trägerflüssigkeit, werden über Magnetfelder in deren Richtung zu dreidimensionalen Formen ausgelenkt. Jochen Klaus, Konzeption Ionic _ Experiment Interface, S.40–43

Abb. 4: Intuitive Musterbildung: Auflösung des metamorphen schwarzen Quadrats, einem Metafenster für die Koexistenz von Rationalismus und Transzendenz, mittels Laut, Gestik und Berührung. Jochen Klaus, Konzeption Ionic _ Experiment Interface, S.23–36

Abb. 4: Intuitive Musterbildung mittels Laut, Gestik und Berührung: Auflösung des metamorphen schwarzen Quadrats, einem Metafenster für die Koexistenz von Rationalismus und Transzendenz. Jochen Klaus, Konzeption Ionic _ Experiment Interface, S.23–36

Fazit

Für Jochen Klaus war es es von entscheidender Bedeutung, sein Interface als Funktions- und Bedeutungsträger für den Entwurf erweiterter Realitäten zu erfassen, sich als kreativ-atmosphärischen Interpretanten technologischer Innovationen zu begreifen.
Die Umsetzung seines kontextsensitiven- und adaptiven Natural User Interface ging über die Kernbereiche angestammter Designdisziplinen hinaus, war nur in interdisziplinären Teamstrukturen realisierbar. Es war für ihn unabdingbar Spezialisten aus den Bereichen Programmierung und Mechatronik zu konsultieren und sie schließlich in sein Projekt miteinzubinden. Bis zum Ende der Bachelorphase war zudem ein hohes Maß an Idealismus und eine ausgeprägte Frustrationstoleranz vonnöten. Ein Scheitern auf ambitioniertem Niveau war zu jeder Zeit im Rahmen des Möglichen.

 Quellenverweise

[1]   vgl. Johann von Kuhn, Süddeutsche Zeitung, Mittwoch, 12. März 2014, Nr.59, S.13
[2]   vgl. Jochen Klaus, Konzeption Ionic _ Experiment Interface, S 20–21

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