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Die Struktur einer wissenschaftlichen Arbeit

Voraussetzung für die umfassende Beantwortung einer wissenschaftlichen Fragestellung durch eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit ist die Struktur dieser Arbeit.

Die nachfolgenden Ausführungen sind ein Leitfaden für den Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit. Sie basieren auf aktueller wissenschaftlicher Literatur zum Thema und haben speziell diejenigen Erkenntnisse aus dieser wissenschaftlichen Literatur zusammengestellt, die zur Abbildung einer ‚idealtypischen‘ Struktur für eine wissenschaftliche Arbeit beitragen. Insofern eignen sie sich für wissenschaftliche Hausarbeiten, Bachelor- oder Master-Arbeiten gleichermaßen.

Spätestens mit dem Beginn ihrer Bachelorarbeit, besser jedoch so früh wie möglich in ihrem Studium, müssen sich Studierende mit den Anforderungen an eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit befassen – und hier insbesondere mit der Struktur einer solchen Arbeit.

Bei einer umfassenden Beschreibung eines solchen strukturellen Aufbaus sollte grundsätzlich zwischen den formalen sowie inhaltlichen Anforderungen differenziert werden.

Formale Struktur-Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit.

Das Deckblatt enthält im Idealfall den Namen der Hochschule, Namen und Vornamen des Studierenden, die Modul-Bezeichnung und das Thema der Untersuchung sowie Titel und Namen des Dozenten und das Abgabedatum.

Das Inhaltsverzeichnis ist die ‚typografische Abbildung‘ der Untersuchungsstruktur:
Inhaltlich bietet es dem Leser die Entscheidungsgrundlage dafür, ob die Arbeit für ihn relevante Inhalte enthält. 
Formal nennt es ihm den ‚Ort‘ der jeweilig relevanten Inhalte: Die Angabe der ersten Kapitelseite – dies inkludiert auch alle Ebenen der Unterkapitel – ist daher immer(!) notwendig. 
Studierende sollten sich dazu vergegenwärtigen, dass das Inhaltsverzeichnis das Ergebnis einer intensiven Themenauseinandersetzung ist: Damit muss(!) es sich logischerweise – und dies entspricht absolut der Realität – stets den neuen Erkenntnisständen anpassen.
Beim Formulierungsstil für die jeweiligen Kapitel-Heads gilt, dass die Studierende ihn zwischen den Anforderungen ‚umfassend‘ und ‚prägnant‘ finden müssen und ihn dann konsequent für alle Kapitel-Heads anwenden müssen.

Ob eine wissenschaftliche Untersuchung ein Abkürzungs-, Symbol-, Abbildungs- oder Tabellenverzeichnis ausweist, ist allein abhängig von Inhalt und Themenaufbereitung der jeweiligen Untersuchung.

Den formalen Abschluss einer wissenschaftlichen Untersuchung bildet immer das Literaturverzeichnis: Es nennt vollständig jede genutzte und angegebene Quelle als alphabetische Liste der jeweiligen Quellen-Autoren – eine Unterscheidung zwischen bspw. Print- und Online-Quellen ist in der Regel daher auch nicht notwendig.

Inhaltbezogene Struktur-Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit

In der Einleitung ihrer Untersuchung nennen Studierende idealerweise die grundsätzliche Zielsetzung der Untersuchung und grenzen das Untersuchungsthema ein. 
Dann formulieren sie generelle, wissenschaftlich noch nicht beantwortete Fragen zum eingegrenzten Thema und formulieren konkret die zentrale Fragestellung ihrer Arbeit. 
Für eine maximale Forschungsstringenz formulieren sie zu dieser Fragestellung eine oder mehrere Hypothese(n).

Zum Abschluss einer Einleitung sollten Studierende die Methode begründen (bspw. Literaturstudie, Befragung oder Inhaltsanalyse), mit der sie die Fragestellung beantworten wollen und den Aufbau ihrer Arbeit chronologisch erläutern. 
Die häufig gestellte Frage, inwieweit die genannten Punkte als zusammenhängender Text oder kapitelweise aufbereitet sein sollten, kann nicht ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ beantwortet werden: Die Aufbereitung muss sich immer nach der jeweiligen Untersuchung richten. 
Ein optionaler Punkt einer Einleitung kann ein notwendiger Verweis auf die verwendeten Quellen sein, beispielsweise die starke Konzentration auf Online-Quellen aufgrund fehlender anderer Quellen.

Im Hauptteil ihrer Untersuchung müssen die Studierenden dann alle in der Einleitung angekündigten Untersuchungsschritte in der vorgestellten Chronologie ‚real‘ umsetzen. 
Sie beginnen dazu mit der Darstellung des aktuellen Forschungsstandes und begründen explizit die zentrale Fragestellung.
 Um diese Fragestellung konkret zu beantworten, stellen sie bestehende Forschungsergebnisse sowie weitere relevante Argumente gegenüber und diskutieren und bewerten sie: Ziel ist es immer eine intersubjektiv(!) nachvollziehbare Antwort – also eine Antwort, die jeder Leser unabhängig von seinen Kenntnissen oder Präferenzen logisch nachvollziehen kann – auf die Fragestellung zu geben. 
Der detaillierte Argumentationsaufbau dieser Diskussion ist dabei immer davon abhängig, ob es sich um eine theoretische oder empirische Arbeit handelt.

Ein Element für eine hohe Qualität der Diskussion ist die Auswahl und die Nutzung der Quellen: 
Die Auswahl muss sich immer an der wissenschaftlichen Wertigkeit der Quelle orientieren; sie muss dazu so umfassend sein, dass die Quellenanzahl inhaltliche Einseitigkeit ausschließt. 
Dazu muss die Nutzung der Quellen im richtigen Sinnzusammenhang erfolgen und an jeder(!) relevanten Textstelle ausgewiesen sein: Der Leser muss zeilengenau wissen, von wem der ausgeführte Gedanke stammt – vom Studierenden selbst oder von einer genutzten Quelle.
 Ein weiteres Element, mit dem Studierende die Qualität der Diskussion beeinflussen, ist ihr Sprach- bzw. Schreibstil: Je unmissverständlicher sie jedes Argument und alle relevanten Zusammenhänge formulieren, desto bewusster folgt ein Leser dieser Argumentation, desto mehr Bedeutung misst er der Argumentation bei – inhaltliche Qualität vorausgesetzt.

Im Zusammenhang von Sprach- und Schreibstil soll (oder muss) der Hinweis auf korrekte Rechtschreibung erfolgen: Es empfiehlt sich immer(!) eigene mehrfach modifizierte Schriftausführungen durch einen ‚externen kompetenten‘ Korrektor prüfen zu lassen.
 Die reale Umsetzung der Untersuchungsschritte, also der Hauptteil einer wissenschaftlichen Arbeit, ist beendet, wenn alle zur intersubjektiv nachvollziehbaren Antwort notwendigen Forschungsergebnisse und Argumente bewertet sind – die dabei erzielten Erkenntnisse müssen dann in das Fazit der Untersuchung überführt werden.

Das Fazit einer wissenschaftlichen Untersuchung besteht idealerweise aus zwei Schwerpunkten. Der erste Schwerpunkt ist die ‚finale Bewertung‘ der Untersuchung selbst: Die Studierenden sollten dazu die Besonderheiten des Untersuchungsablaufes nennen und die zentralen(!) Ergebnisse der Untersuchung auflisten. Aus diesen Ergebnissen sollten sie im Zusammenhang von zentraler Fragestellung und aufgestellter Hypothese ein eindeutiges Gesamtergebnis formulieren und damit eine konkrete Antwort auf die Fragestellung der Untersuchung geben.

Zweiter Schwerpunkt eines Fazits ist die Einordnung des konkreten Untersuchungsergebnisses in den wissenschaftlichen Gesamtkontext: Dazu müssen Studierende mögliche Ergebnisdefizite der Untersuchung nennen – hier geht es nicht(!) um das Aufzeigen persönlicher Versäumnisse, sondern um Hinweise auf mögliche natürliche Restriktionen der Untersuchung. Nur so kann der neu erreichte wissenschaftliche Forschungsstand exakt(!) dokumentiert werden. 
Denn aus diesem neuen wissenschaftlichen Forschungsstand sollten die Studierenden dann final – und quasi als Anreiz für die weitere Beschäftigung mit dem Untersuchungsthema – daraus abzuleitende, neue wissenschaftliche Forschungsaspekte oder gar Fragestellungen aufzeigen.

Natürlich kann die dargelegte Struktur kein Garant für hohe Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit sein. Sie ist aber die notwendige Voraussetzung: Die Beachtung der genannten Strukturelemente sichert die umfassende Beantwortung einer wissenschaftlichen Fragestellungen in schriftlichen Arbeiten.

Die vorliegenden Ausführungen basieren auf folgender Literatur:

  • Boeglin, Martha (2007): ,Wissenschaftlich arbeiten. Schritt für Schritt. Gelassen und effektiv studieren‘ München.
  • Ebster, Claus und Stalzer, Liselotte (2008): ‚Wissenschaftliches Arbeiten für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler‘, Wien.
  • Hunziker, Alexander W. (2008): ‚Spass am wissenschaftlichen  Arbeiten. So schreiben Sie eine gute Semester-, Bachelor- oder Masterarbeit‘, Zürich.
  • Jele, Harald (2006): ‚Wissenschaftliches Arbeiten: Zitieren ‘, München, Wien.
  • Karmasin, Matthias, Ribing, Rainer (2009): ,Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen‘, Wien.
  • Sesnik, Werner (2007): ‚Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten. Internet, Textverarbeitung, Präsentation‘, München, Wien.
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