Im Fokus

ERSTELLUNG EINES KOLLEKTIONSKONZEPTES

Bericht zum Projekt II – Schwerpunkt Produktmanagement – Produkt- & Kollektionsplanung im Studiengang Modemanagement in Düsseldorf

Im Rahmen einer Projektarbeit erstellten die Studierenden des vierten Semesters Modemanagement (MOM 1014) in Zweier- oder Dreiergruppen ein Kollektionskonzept. Dabei wendeten sie die theoretischen Inhalte aus den Modulen Marketing, Produkt- & Kollektionsplanung, Beschaffung, Sourcing & Einkauf praktisch an. Das Ziel der Konzepterstellung besteht vor allem darin, dass die Studierenden die Komplexität der verschiedenen schöpferischen Aufgaben während des Kollektionserstellungsprozesses erfassen und erfahren, wie die sich aus den vielfältigen Anforderungen ergebenden Herausforderungen in Teamarbeit gemeistert werden können.

In der Regel sind die Studierenden nach erfolgreichem Abschluss dieses Projektes in der Lage, sämtliche unterschiedliche Kollektionsentwicklungsprozesse in verschiedenen Genres der Modebranche zu verstehen, nachzuvollziehen, daran mitzuarbeiten und diese gegebenenfalls auch zu optimieren.

Damit die Studierenden den Kollektionsentwicklungsprozess in seiner vollen Komplexität erfassen, sind bereits im Vorfeld im Modul Produkt- & Kollektionsplanung die theoretischen Grundlagen umfassend behandelt worden. Dabei wurden die einzelnen Prozessschritte genau analysiert und deren Anwendung in den verschiedenen Genres der Modebranche theoretisch durchgespielt. Für das Projekt wurde eine der komplexesten Kollektionsentwicklungsvarianten gewählt, nämlich die vertikal gesteuerte Entwicklung einer Kollektion über einen Zeitraum von einem halben Jahr (Frühjahr/Sommer-Saison 2017) mit monatlichen wechselnden Kollektionsthemen. Diese sollten so aufgebaut werden, dass Restanten problemlos in den Folgemonat integriert werden können und dass die Kollektionsmodule in Bezug auf die bewirtschafteten Flächen zielgruppengerecht zusammengestellt sind. Dabei sollten die Studierenden die Verkaufswerte der Module ebenso beachten wie die Warengruppenanteiligkeiten.

Zunächst legten die Studierenden fest, was sie für eine Kollektion erstellen wollten. Sie verfassten eine kurze Kollektionsbeschreibung, aus der hervorgehen sollte, welchen Kunden sie mit ihrer Kollektion bedienen wollten und wer ihre Mitbewerber dabei waren. Die Studierenden gaben an, welchen Aussageschwerpunkt die Kollektion haben soll und gaben Auskunft über die Preisarchitektur der Kollektion.

Dabei konnten die Studierenden die Art und Weise ihres Vorgehens und der Darstellung frei wählen, so dass durch die Bearbeitung dieses ersten, grundlegenden Prozessschrittes deutlich wird, inwieweit die Studierenden die Instrumente des Marketingmix in der Praxis anwenden können. Ebenso wurde den Studierenden bewusst, wie bedeutend eine klare Ausrichtung der Kollektion (vor allem in Hinblick auf die Entwicklung eines Markenimages) ist. Die Studierenden konnten zum Beispiel ein Pen-Profil ihres Zielkunden erstellen, anhand dessen sie jedes Kollektionsteil auf seine Berechtigung in der Kollektion aufgenommen zu werden, überprüfen konnten. Ebenso mussten sich die Studierenden Gedanken zum Markenumfeld und zur Positionierung ihrer Kollektion machen, wie z.B. in Abb. 1 geschehen.

Abb. 1 Beispiel für Positionierungsmatrix (Bergmann, Karamanlidis)

Abb. 1 Beispiel für Positionierungsmatrix (Bergmann, Karamanlidis)

Im Rahmen der umfassenden Trendrecherche, in der die Studierenden (ganz wie die Profis) WGSN in der Hochschule in vollem Umfang nutzen können, machten sich die Studierenden unter anderem Gedanken darüber, was die Key Items und die Key Looks der kommenden Saison sein würden. Diese galt es dann auf ihren Zielkunden anzupassen und entsprechend in die Kollektion zu integrieren. Auch hier war die Darstellung den Studierenden selbst überlassen, so dass einige Gruppen Bildmaterial zusammenstellten, während andere Gruppen Bild und Text zur Darstellung nutzten.

Abb. 2 Beispiel Key Items Frühjahr/Sommer 2017 (Kierstein, Schikarski)

Abb. 2 Beispiel Key Items Frühjahr/Sommer 2017 (Kierstein, Schikarski)

Abb. 3 Key Items Beispiel Bilder und Text (Krassa, Wang)

Abb. 3 Key Items Beispiel Bilder und Text (Krassa, Wang)

Abb. 4 Beispiel Key Look Frühjahr/Sommer 2017 (Kierstein, Schikarski)

Abb. 4 Beispiel Key Look Frühjahr/Sommer 2017 (Kierstein, Schikarski)

Auch zur Entwicklung der monatlichen Farbthemen wurde das WGSN-Portal fleißig genutzt, damit die Aktualität der Farben gewährleistet werden konnte. Die Studierenden waren bei der Entwicklung ihrer Monatsthemen in ihrer Kreativität zunächst nicht eingeschränkt, sie konnten sich mit Hilfe von Moodboards zuerst den zeitgeistlichen Strömungen annähern, um diese dann im Laufe des Projektes in Kombination mit Farben zu monatlichen Themen zu verdichten. Waren die Farben und die Stimmungen dann einmal festgelegt, sollten die Studierenden noch angeben, wie sie sich die Farbanteiligkeiten in den jeweiligen Lieferterminen vorstellen. Die Farbanteiligkeiten werden später auf der Fläche durch die ausgelieferte Ware sichtbar und müssen den Charakter des Themas widerspiegeln. Daher müssen später auch im Kollektionsrahmenplan die Farben und die Häufigkeit ihrer Verwendung genau geplant werden.

Abb. 5 Beispiel Farbthema März mit Farbanteiligkeiten  (Bergmann, Karamanlidis)

Abb. 5 Beispiel Farbthema März mit Farbanteiligkeiten (Bergmann, Karamanlidis)

Abb. 6 Beispiel Farbthema Februar mit Farbanteiligkeiten (Kierstein, Schikarski)

Abb. 6 Beispiel Farbthema Februar mit Farbanteiligkeiten (Kierstein, Schikarski)

Damit während der gesamten Saison ein ansprechendes und ruhiges Warenbild auf der bewirtschafteten Fläche entsteht, müssen die Farbthemen für die ganze Saison so geplant werden, dass die Übergänge zwischen den jeweiligen Lieferterminen harmonisch sind. Die Studierenden sollten im Rahmen des Projektes ihre Farbthemen so aufbauen, dass sie die Restanten des Vormonates problemlos in das aktuelle Monatsthema integrieren können. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die Ware nach spätestens drei Monaten abverkauft ist. Die Studierenden sollten Basis- und Modefarben unterscheiden und den Farbverlauf der Saison entsprechend darstellen.

Abb. 7 Farbverlauf nach Lieferterminen (Babic, Sprünken)

Abb. 7 Farbverlauf nach Lieferterminen (Babic, Sprünken)

Abb. 8 Farbverlauf nach Lieferterminen (Bergmann, Karamanlidis)Abb. 8 Farbverlauf nach Lieferterminen (Bergmann, Karamanlidis)

Abb. 8 Farbverlauf nach Lieferterminen (Bergmann, Karamanlidis)

Der entsprechende Kollektionsrahmenplan (KRP), in dem jedes Teil der Kollektion nach Warengruppe, Ausprägung, Liefertermin und Preis und Lotierung erfasst werden musste, sollte von den Studierenden mit Hilfe einer Excel-Datei erstellt werden. Durch die Erstellung des KRP’s mit Hilfe einer Excel-Datei lernen die Studierenden nicht nur den Umgang mit dem Programm Excel in der Praxis, sondern sie bekommen auch einen Überblick über die monetären Folgen jeder Entscheidung bezüglich der Aufnahme von weiteren Farben oder Modellen in die Kollektion. Ebenso müssen sich die Studierenden über jeden einzelnen Artikel Gedanken machen im Hinblick auf dessen Ausprägung, Preis, Größenlauf, etc. .

Wenn die Studierenden den KRP für ihre Kollektion erstellt haben, verstehen sie in der Regel auch den Zusammenhang zwischen der Kollektionsplanung, Flächenplanung und Umsatzplanung, die wiederum für die Kalkulation der Einzelteile von Bedeutung ist. Über die Summen der Verkaufspreise der einzelnen Warengruppen, Monatsthemen, etc. bekommen die Studierenden ein Gefühl für die Kennzahlen im Einzelhandel, mit denen sie in ihrem zukünftigen Berufsleben oft täglich zu tun haben werden.

Abb. 9  Auszug aus einem Kollektionsrahmenplan (Bergmann, Karamanlidis)

Abb. 9 Auszug aus einem Kollektionsrahmenplan (Bergmann, Karamanlidis)

Abb. 10  Auszug aus einem Kollektionsrahmenplan (Kierstein, Schikarski)

Abb. 10 Auszug aus einem Kollektionsrahmenplan (Kierstein, Schikarski)

Die Überprüfung, ob die Studierenden sich bei der Auswahl der Materialien innerhalb der einzelnen Warengruppen an saisonalen Bedürfnissen im Hinblick auf ihre Zielkunden und vorteilhaften Beschaffungskriterien orientiert haben, erfolgt mit Hilfe eines Materialplans. In diesem sollten die Studierenden pro Warengruppe festhalten, welche Modelle in welchen Materialien zu welchen Lieferterminen und Preisen geplant sind.

 

Abb. 11  Auszug aus einem Materialplan (Kierstein, Schikarski)

Abb. 11 Auszug aus einem Materialplan (Kierstein, Schikarski)

Abb. 12  Auszug aus einem Materialplan (Babic, Sprünken)

Abb. 12 Auszug aus einem Materialplan (Babic, Sprünken)

Ein weiterer Vorteil dieser Darstellung ist, dass die Studierenden sehen können, ob das richtige Modell im richtigen Monat ausgeliefert wird. Ebenso können die Preise und Ausprägungen im Saisonverlauf geprüft werden.

Eine weitere Teilaufgabe des Projektes beinhaltet die visuelle Darstellung der geplanten Kollektionsteile. Die Visualisierung der Kollektion hilft den Studierenden dabei, sich die Kollektionen fertig vorstellen zu können. Mit Hilfe der farbigen Skizzen können Kombinationsmöglichkeiten besser dargestellt und erfasst werden. Außerdem fallen Redundanzen und Ähnlichkeiten bei den verschiedenen Modellen anhand der Skizzen direkt ins Auge. Positiv hervorzuheben ist, dass durch das Visualisieren der Modelle die Studierenden neue Darstellungstechniken lernen, die ihnen dabei helfen, sich auch bildhaft auszudrücken, obwohl sie keinen gestalterischen Studiengang gewählt haben. Dabei kommt es bei der Beurteilung des Projektes nicht auf die zeichnerische Ausführung an, sondern es geht vielmehr um die „Bewältigung“ der komplexen Aufgabenstellung mit angemessener Materialsorgfalt. Die Studierenden sollten jedes Teil in jeder Farbe visualisieren, so wie sie es in ihrem KRP geplant haben.

Abb. 13  Darstellung Kollektionsübersichten Skizzen Beispiel (Gacon, Owerdieck, Stender)

Abb. 13 Darstellung Kollektionsübersichten Skizzen Beispiel (Gacon, Owerdieck, Stender)

Abb. 14  Darstellung Kollektionsübersichten Skizzen Beispiel (Krassa, Wang)

Abb. 14 Darstellung Kollektionsübersichten Skizzen Beispiel (Krassa, Wang)

Abb. 15  Darstellung Kollektionsübersichten Skizzen Beispiel (Beniers, Dahms, Rohwerder)

Abb. 15 Darstellung Kollektionsübersichten Skizzen Beispiel (Beniers, Dahms, Rohwerder)

Wie auch in der Praxis üblich, musste nach „Fertigstellung“ der Kollektion auch von den Studierenden noch ein sogenannter „Kollektionsbericht“ verfasst werden. Dieser dient als Vorlage für Pressemitteilungen oder manchmal auch dem Vertrieb als Verständnis- und Verkaufshilfe. Dazu sollten die Studierenden für jedes Monatsthema kurz die zentralen Ideen und Inhalte der Kollektion beschreiben und dabei auf die wichtigsten Modelle und Preislagen eingehen.

 

Abb. 16  Kollektionsbericht Beispiel (Bergmann, Karamanlidis)

Abb. 16 Kollektionsbericht Beispiel (Bergmann, Karamanlidis)

Die Mappe, die im Rahmen dieses Projektes erstellt wird, kann außerdem von den Studierenden bei Bewerbungsgesprächen genutzt werden. Anhand der Mappe können die Modemanager sehr gut dokumentieren, dass sie den Kollektionsentwicklungsprozess unter Berücksichtigung kreativer und finanzieller Aspekte vollumfänglich verstanden haben.

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