Im Fokus

Kreative Stoffdruck-Entwicklung der MOM1013 Studierenden

Ein exklusiver Textildruck ist für viele Modehäuser eine sichere Methode den saisonalen Kollektionen ein gestalterisches Alleinstellungsmerkmal zu verleihen. Als Modedesigner wie auch als Modemanager kommt man daher immer wieder in die Situation sich außerhalb seines eigentlichen Wirkungsbereiches mit der Oberflächengestaltung von Textilien beschäftigen zu müssen.

Vor diesem Hintergrund haben die Studierenden des Semesters MOM1013 im Rahmen des Moduls Projekt II „Schwerpunkt Textil – und Modewirtschaft“ ein eigenständiges Textildruck-Design gestaltet um Erfahrung auf diesem Gebiet zu sammeln.

Kreative Stoffdruck-Entwicklung der MOM1013 Studierenden.

Kreative Stoffdruck-Entwicklung der MOM1013 Studierenden.

Das Konzept:

Anlass und Ausgangspunk des designerischen Konzeptes für einen Textdruck innerhalb des Projekt II Moduls war die Zusammenarbeit mit Natascha von Hirschhausen, einer jungen Modedesignerin, die sich im Bereich nachhaltiger Mode etabliert hat. Ihre MD.H Bachelor Kollektion aus dem Jahr 2013, die sich vor allem mit No-Waste-Design (Modedesign ohne Stoffverschnitt) und Co-Design (Integration des Kunden in den Designprozess) auseinandersetzte, hat sie den Studierenden als Vorlage zur Verfügung gestellt, um auf dieser Grundlage eine kompakte Kapsel-Kollektion aus den bestehenden Kleidungsstücken zu extrahieren.

Die Studierenden entschieden sich für diese Kollektion gemeinschaftlich einen Stoffdruck zu gestalten der, sowohl optisch als auch inhaltlich, Sinnbild für die besonderen Co-Design Qualität von Nataschas Designkonzept darstellen sollte.

Im Rahmen eines Gestaltungsworkshops sollte zunächst die kreative Umsetzung des Stoffdruckes entstehen, zu deren Unterstützung die abstrakt-expressiv arbeitende Künstlerin Gunna Schmidt, als Workshop Leiterin, herangezogen wurde.

Die Methode:

Basierend auf der sogenannten „stained canvas“ oder „stained painting“ Methode der amerikanischen Künstlerin Helen Frankenthaler, bei der stark verdünnte Farbe direkt auf ungrundierte Leinwand oder rohes Nesselgewebe aufgetragen wird, sollte das Design als Vorlage für den finalen Textildruck entstehen.

Bei diesem Verfahren verbinden sich die Farbpigmente durch den hohen Flüssigkeitsgehalt unmittelbar und unwiderruflich mit dem Textil und lassen so keinerlei nachträgliche Korrekturen zu. Jede malerische Handlung wir auf diese Weise unmittelbar dokumentiert.

Die besondere Herausforderung und die gezielte Aufgabenstellung, sowohl für Workshopleiterin Gunna Schmidt wie auch für die Studierenden war es, Helen Frankenthalers Methode durch mehrere Händen gleichzeitig auf einer Leinwand umzusetzen. Den Studierenden war es wichtig hierbei den gemeinsamen Schaffensprozess sichtbar zu machen, ohne Rücksichtnahme auf mögliche Kollisionen der Akteure. Die Spuren malerischer Vorgänge sollten vielmehr als Zitat der gemeinsamen Gestaltung gelten.

Der Workshop:

Vorbereitet wurde der Workshop von einer ausgewählten Gruppe der MOM1013 Studierenden, die Materialien, Farben, Film- und Foto-Dokumentation, musikalische Untermalung und Verpflegung wie auch 5 Metern rohern Nesselstoff organisierten.

Am Gestaltungstag lag nun zunächst eine blanke und auf Zeitungspapier ausgerollte Leinwand vor den Kursteilnehmern und wurde vorsichtig beäugt. Nach einer umfangreichen Einleitung von Gunna Schmidt und gutem Zuspruch, begannen 30 Paar Hände vorsichtig mit Pinseln, Schwämmen, Tupfern und Stäbchen auf diese helle Fläche einzuwirken. Erst arbeitete jeder zögerlich für sich, Kollisionen der Malerei auf dem Stoff wurden geflissentlich vermieden.

Nach dieser ersten „Runde“ wurde nun in einem nächsten Schritt dass bisher entstandene Werk „unterspült“, indem das mit mehr oder weniger Farbpigmenten angereicherte „Pinselwasser“, das in Behältern am Rande der Leinwand stand, großzügig um die entstandenen „Gemäldeinseln“ gegossen wurde. Diese „Farbgewässer“ sollten bewusst Verbindungen zwischen den einzelnen Werken schaffen. Durch die sanfte Kollision dieser zuvor noch klar abgegrenzten, einzelnen Arbeitsbereiche entstand nun eine lebendige Wanderung der Kunstschaffenden um die große Leinwand herum.

Nach einer enthusiastischen zweiten Runde gab es noch eine Dritte und danach eine Vierte. Wer kein Interesse mehr hatte zu malen, zu gießen oder zu klecksen begann damit, das entstehende Werk mit Handykameras zu dokumentieren. Es wurde in Details hinein gezoomt und dabei wurden Ausschnitte zu neuen, kleineren Kunstwerken gemacht. Da der Trocknungsprozess der wässrigen Farben das Erscheinungsbild der Leinwand konstant veränderte, entstanden somit viele Aufnahmen, die bei späterer Betrachtung im finalen Gemälde nicht mehr wiederzuerkennen sind.

Das Resultat:

Nach Sichtung aller Fotografien des Workshoptages, wurden einige besonders Markante von den Studierenden herausgefiltert, in Gruppen gegliedert und ausgewertet. Hierbei stellte sich überraschenderweise heraus, dass oft die spontan entstandenen Detailaufnahmen interessante und abstrakte Tiefen eröffneten und dadurch für einen Textildruck gut verwendbar waren. Vielleicht ein wichtige Erfahrung, wie eng „Zufall“ und bewusste Gestaltung miteinander in Verbindung stehen und die damit einhergehende Erkenntnis, dass es keine objektiven Kriterien bei der endgültigen Auswahl gibt!

Am Ende konnte man sich auf ein Detail aus dem 5 Meter langen Gesamtkunstwerk einigen, welches nun, auf das 100 fache vergrößert, als Motiv für den anschließend auf Seide gedruckten Textildruck dient und als Musterkollektion ausgewählter Designs im Rahmen des MOM1013 Moduls Projekt II „Schwerpunkt Textil – und Modewirtschaft“ in der MD.H präsentiert wurde.

 

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