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Analyse zu Ubisofts Far Cry Primal- Studierender des Fachbereichs Gamedesign testet Pre-Release Beta Version

David Störmer, 1. Semester Gamedesign an der MDH Berlin, zählte am 19.01.2016 zu den ersten glücklichen Testern der Pre-Release Beta Version von Ubisofts Far Cry Primal.
Auf dem Event waren neben Uke Bosse auch Lead Game Designer Clark Davies, (Far Cry 3 und 4) und Schreiber Jean-Sebastien Decant (Heavy Rain, Far Cry 3 und Assassin’s Creed 4). dabei. Die drei Stunden Spielzeit bewertet David Störmer in seiner Analyse:

In dem Spiel geht es darum, als Takkar, einem Mitglied des Wenja Stammes, das Land von Oros von den feindlichen Stämmen der Udan und Izila zurück zu erobern.
Das Setting des Spiels ist hierbei die Mittelsteinzeit, um etwa 10.000 v.Chr., und damit nach der letzten Eiszeit. Dies führt dazu, dass das zu Wasser geschmolzene Eis für eine mega Fauna sorgt, weshalb Großteile der Karte mit Dschungeln und riesigen Bäumen bedeckt sind, während es im Norden noch schneebedeckte Berge gibt. Die Fauna bietet das, was man von dieser Zeitperiode erwartet: Säbelzahntiger, Wölfe und Mammuts, aber auch altbekannte Tiere wie Krokodile, Dhole und Adler tauchen wieder auf.

Das Gameplay bietet das, was man aus der Far Cry Reihe gewohnt ist: Einen open world first person shooter, nur, dass hier die üblichen Schusswaffen durch steinzeitliche Waffen wie Holzbögen, Wurfspeere und die gute, alte Keule ersetzt wurden. Dies ändert sich deutlich, wenn man an Gegnertruppen herangeht, da, gerade zum Beginn des Spiels, Fernwaffen schnell an ‚Munition‘ verlieren und nun viele Gegner den Nahkampf bevorzugen.
Die Mechaniken des Spiels sind nahezu identisch mit denen der Vorgänger, mit ein paar zusätzlichen Neuheiten. Wie gewohnt verbringt man seine Hauptzeit mit dem Töten von Gegnern und Jagen von Tieren, wobei das Jagen, auf Grund der großen Menge an Tieren, jetzt eine größere Rolle spielt.
Sammeln und Craften ist auch deutlich stärker vertreten, da die steinzeitlichen Waffen schnell kaputt gehen und schnell neue gemacht werden müssen. Glücklicherweise ist Baumaterial überall vorhanden.

Wie die Story bereits andeutet, geht es auch um das Erobern des Landes. Dies bedeutet, dass zu Beginn fast die gesamte Map rot als Gegner Territorium markiert ist und durch das Einnehmen gegnerischer Dörfer langsam grün eingefärbt wird; dies bedeutet auch mehr patrouillierende Wenja in diesen Gebieten.
Nachdem diese Dörfer eingenommen wurden, kann man sich nun um sie kümmern. Über die Tiefe dieser Mechanik konnte ich mir leider noch keinen ausgiebigen Eindruck machen, bisher wirkte es auf mich eher so, als könnte man nur an bestimmten Stellen bestimmte Häuser bauen und muss einfach nur eine Menge Ressourcen sammeln, aber wie gesagt, das ist nur mein erster Eindruck.

Die möglicherweise größte neue Mechanik ist aber das Zähmen bestimmter Raubtiere. Nach einer frühen Mission, in der man eine Eule zähmt, die von nun an als Späher agiert und Gegner markieren kann, bekommt man seinen ersten Wolf. Dieser kann an der Seite des Helden kämpfen, jagen und es gibt insgesamt 17 verschiedene dieser Tiere, alles vom Dhole bis zum Säbelzahntiger. Größere Raubtiere sind angeblich reitbar und ersetzten somit die Autos aus den Vorgängern.
Natürlich gibt es auch wieder viel zu Looten und Leveln um seinen Skill-Tree aufs Maximum zu bringen.
Was die Dynamiken des Spiels betrifft, kann man hier natürlich auch wieder selbst entschieden, ob man eher der leiser Schleicher ist, oder mit brennender Keule in die Gegner Gruppen rennt. Beide Seiten lassen sich, wie in den Vorgängern, gut spielen, vor allem da es keine lauten Schusswaffen mehr gibt, was das lautlose Kämpfen etwas vereinfacht.

In einem Interview teilte man mir mit, dass man nun ab einem bestimmten Zeitpunkt, relativ zu Beginn der Story, die Wahl hat, wie man an das Spiel und seine Geschichte herangeht: Möchte man erst die beiden feindlichen Stämme bekämpfen, den Wenja mit ihren Dörfern helfen oder zuerst das Land von Oros einnehmen? Die Wahl ist einem selbst überlassen.
Aber nun zur wichtigsten Frage: Auf welche Arten macht das Spiel Spaß?
Hierbei beziehe ich mich auf die acht Arten, auf die ein Spiel Spaß machen kann: Sensation, Fantasy, Narrative, Challenge, Fellowship, Discovery, Expression und Submission. Es werden natürlich nicht alle zutreffen, das Spiel ist z.B. ohne Multiplayer, weshalb Fellowship bereits entfällt.
Nun, zuerst einmal muss ich sagen, dass das Spiel wunderschön ist und damit unter Sensation fällt, also eine Befriedigung für die Sinne. Die steinzeitliche, dichtbewucherte Welt, die noch unberührt von Menschen scheint, ist sehr gut getroffen. Die menschlichen Gegner bewegen sich sehr affenartig und alle Tiere bewegen und verhalten sich realistisch. Man kann sich auch einfach mal hinstellen und zuschauen, wie z.B. ein Mammut erst zum Fluss geht um zu trinken und dann schwimmen geht. Im Interview wurde mir gesagt, dass auf den Realismus der Tiere sehr geachtet wurde, da sie so einen großen Teil des Spiels ausmachen. Am besten gefiel mir der Tag-Nacht-Zyklus, der nun endlich einen Unterschied macht, anstatt nur die Beleuchtung zu ändern: Nachts tauchen überall Wolfsrudel auf, die deutlich aggressiver sind als am Tag und was mir daran am besten gefallen hat ist, dass nun die Augen der Raubtiere im Dunkeln leuchten, was alles viel bedrohlicher macht.
Bei Fantasy gab es bei mir Probleme: Teilweise fiel es mir schwer, mich auf die Welt einzulassen. Ich konnte nicht anders, als denken:“Ich laufe schon seit 15min durch den Dschungel, wann kommt endlich die nächste Straße, damit ich ein Auto nehmen kann?“ und das liegt stark daran, dass es sich immer noch sehr wie Far Cry anfühlt, was auch gut so ist, aber, dass es immer noch das Shooter-übliche Radar unten in der Ecke gibt und bei jedem guten Treffer mit dem Bogen groß „HEADSHOT“ erscheint (auch selbst wenn es nur mit der Keule auf den Kopf war) hat mich doch oft aus der Welt gerissen. Ansonsten bin ich aber sehr froh, dass sie ein Setting gewählt haben, das man nur selten in dieser Art von Spiel sieht.
Das ganze Spiel ist sehr Casual gehalten, weshalb Challenge eher wegfällt, der Schwierigkeitsgrad ist niedrig gehalten und das ist auch ok, dafür steht das Franchise schließlich nicht, wie etwa die DarkSouls-Reihe. Allerdings ist es schade, dass auch das Zähmen von extrem gefährlichen Tieren kein großes Problem darstellt: Wirf Fleisch vor das Tier, geh hin, halte Quadrat gedrückt, fertig. Ich hätte mir etwas Komplexeres gewünscht.
Wie alle Far Cry Spiele gibt es wieder eine große offene Welt mit vielen Orten und Aufgaben, zum Erforschen und Bestreiten (Discovery), mit denen man bestimmt wieder viele Stunden, auch außerhalb der Story, verbringen kann (Submission).
Ein Punkt, der mir noch gefallen hat ist, dass das Spiel konstant Feedback gibt, egal was man sammelt, tötet oder sonst so macht, es wird immer sofort angezeigt was man bekommt. Auch zufällige Events, wie einem Wenja in der Gegend helfen, wird sofort mit einem ‚Dorfbewohner +1′ belohnt (und -1, wenn man Wenja erschießt), diese Nebenaufgaben hatten in vorherigen Spielen wenig Sinn oder Einfluss auf die Welt und haben sich eher selten gelohnt.
Selbst das Verhalten der Tiere gibt einem durch die guten Animationen direktes Feedback darüber, wie sich das Tier verhalten wird: Rennt es gleich davon oder bleibt es noch, damit man zuschlagen kann.
Ich habe allerdings die Befürchtung mit Balancing-Problemen, diese Probleme hatte ich auch schon mit den früheren Teilen der Reihe. Dadurch, dass man die Wahl hat, in welcher Reihenfolge man die Story angeht, sind die Missionen so angepasst, dass man sie auch auf einem niedrigen Level schaffen könnte, allerdings sorgt dies dafür, dass ein sogenannter positiver feedback loop eintreten könnte. Dies ist ein Terminus, der oft in Brettspielen auftaucht: Es bedeutet, dass durch die Art wie das Spiel gemacht ist, der vorderste Spieler immer besser wird und schneller vorankommt, während der hinterste immer langsamer wird und nicht mehr aufholen kann, sprich, das Spiel wird instabil.
Wie dies auf FC Primal zutreffen könnte: Wenn ich z.B. bereits einen der gegnerischen Stämme besiegt habe und deutlich stärker bin, als das Spiel von mir erwartet, um die erste Mission des zweiten Stammes zu schaffen, bin ich also überlevelt und werde kein Problem mit den nachfolgenden Missionen haben. Wie mir in dem Interview gesagt wurde, leveln die Gegner nicht mit, was schnell bedeuten kann, dass dieser Loop eintreten könnte.

Alles in Allem hat mir das Spiel aber sehr gut gefallen, es macht genau so viel Spaß wie seine Vorgänger und es sieht wunderschön aus; die organisch wirkende Welt hat mich am meisten beeindruckt.
Jedoch scheint es, zumindest nach den ersten Stunden Spielzeit, als wäre die Befürchtung vieler bestätigt und es handele sich ’nur‘ ein Far Cry Spiel mit einem Steinzeit-Skin. Bis auf die Waffen ist alles Bekannte aus den Vorgängern vorhanden: Funktürme sind Feuerstellen, das Fernglas ist eine Eule, Lager sind kleine Dörfer, Autos sind Tiger usw.
In dem Interview wurde mir darauf hin gesagt, dass es sich natürlich um das selbe Team handelt und sie wollen, dass sich die ‚große Fanbase immernoch wohlfühlt‘, was ich absolut nachvollziehen kann.
Ich freue mich auf jeden Fall darauf, wenn das Spiel am 23.02.16 in den Läden erscheint.