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Slow Fashion bei AMON in Prien

Von Mariella Kockler

„Organic“, „Recycled“, „Fairtrade“: Begriffe, die mit der öffentlichen Debatte zum Thema Nachhaltigkeit mittlerweile Einzug in alle Bereiche des täglichen Konsums erhalten haben. Auch in der Modebranche wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. Dabei geht es vor allem um faire Arbeitsbedingungen, ressourcenschonendes Arbeiten mit langlebigen und gleichzeitig klimafreundlichen Materialien sowie transparente Handelswege und Recycling. Eine Philosophie, die das Priener Modelabel AMON verinnerlicht hat und täglich im Store in der dortigen Innenstadt lebt und an die Kunden vermittelt.

Für die Studentinnen des dritten Saemesters des Bachelorstudiengangs Modemanagement bot sich im Rahmen des Moduls Management gemeinsam mit Dozent Prof. Dr. Thomas Siegel die Möglichkeit, einen tieferen Einblick in das Konzept von AMON und die tägliche Arbeitsweise des Familienbetriebs zu bekommen.

Bei einem Besuch vor Ort in Prien erhielt die Gruppe einen Rundgang durch den Laden und das darüberliegende Atelier, in dem die hauseigenen Kollektionen entstehen. Im direkten Gespräch mit der Familie hatten die Studierenden die Chance, die zuvor im Unterricht erlernte Theorie aus erster Hand am Beispiel eines erfolgreichen Modeunternehmens erklärt zu bekommen. Dabei ging es vor allem um Fragen rund um Unternehmensziele und Unternehmenskultur des Familienbetriebs sowie die strategischen Hintergründe – beispielsweise welche Geschäftsfelder priorisiert AMON und wie schafft es das Unternehmen, damit an ihrem Standort erfolgreich zu sein.

Begonnen hat AMON 2016 mit einer kleinen Verkaufsecke auf der Ladenfläche, die damals noch einen Antiquitätenladen beherbergte. Dies bot der Familie die Möglichkeit, das nachhaltige Konzept und den Standort zu testen und rund ein Jahr später mit dem Umsatz zu wachsen, wie Inhaber Norbert erzählte. Heute gelingt es AMON vor allem mit einem Einkaufserlebnis, das über den Kleidungskauf hinaus geht, zu punkten: Im Laden befindet sich ein kleines Café; im Sommer wird Kunden im Hinterhof ein täglich wechselndes Mittagsmenü serviert.

Das locke nicht nur Stamm- und Laufkundschaft aus Prien, sondern dank der zentralen Lage auch Urlauber und Wochenendbesucher in den Store, berichtet die Familie. Das Potential des Geschäftsstandorts im Herzen von Prien habe man damals sofort erkannt. Dabei geholfen habe natürlich die Marktkenntnis, die Norbert und seine Frau Simone aufgrund ihrer vorherigen Arbeit in der Modebranche bereits mitbrachten.

Trotzdem berichteten die beiden Inhaber den Studentinnen ganz offen auch von Hürden, die das eigene Modegeschäft im Alltag mit sich bringt: Fehler bedeuten Verluste und die bemerke man bei dieser Geschäftsgröße sofort. Gerade deshalb sei es so wichtig, jedes verkaufte, aber auch nichtverkaufte Stück genau zu analysieren, Hintergrundrecherche zu betreiben und zu verstehen, wieso ein Kleidungsstück bei der Kundschaft nicht so gut ankam, um zukünftig noch bessere Entscheidungen treffen zu können.

So hat sich AMON auf Damen- und Herrenbekleidung, Schuhe, Accessoires und ausgewählte Kosmetikprodukte spezialisiert sowie „die Seele des Geschäfts“: die eigene Produktlinie. Diese lebe einerseits von der Handarbeit im eigenen Atelier und dem Verkauf direkt vor Ort, aber auch von kurzen Lieferwegen dank der Zusammenarbeit mit Produktionspartnern in der Umgebung. Auch in Zukunft möchte AMON deshalb verstärkt auf eigene Produktkollektionen setzen; diese mit Hilfe von Influencer Marketing auch verstärkt über Instagram und den neuen Onlineshop vertreiben. Des Weiteren plane man einen Outlet- Lagerverkauf in den neu erschlossenen hinteren Geschäftsräumen.

Den Studierenden bot der Besuch spannende Einblicke und wertvolle Expertise für ihren zukünftigen Werdegang in der Modebranche. Nachdem sich die Gruppe am Schluss bei Kürbissuppe und Apfelkuchen auch noch vom Mittagstisch des AMON-Cafés überzeugen lassen durfte, ging es mit dem Zug wieder zurück nach München.