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Tagungsbericht

Am 14. Oktober 2013 fand im Deutschlandradio Funkhaus Berlin am Hans-Rosenthal-Platz eine Fachtagung der Initiative Qualität im Journalismus zum Thema Qualität der Qualifikation – Impulse zur Journalistenausbildung statt. Die Veranstaltung wurde von Werner Lauff (Publizist und Medienberater, Düsseldorf) moderiert. Dabei stand neben den Berufsperspektiven die Rolle der privaten und öffentlichen Hochschulen sowie der Medienunternehmen im Mittelpunkt des Interesses. Es wurde über Konzepte diskutiert, die auf die Veränderungen in der Medienbranche, auf die Digitalisierung und den daraus resultierenden Social-Media-Aktivitäten sowie neue Strukturen des Arbeitsmarktes Bezug nahmen.

Initiative Qualität im Journalismus

Initiative Qualität im Journalismus

In seinem Grußwort hob Dr. Willi Steul (Intendant Deutschlandradio, Berlin) hervor, dass Journalismus nicht nur ein reines Handwerk ist, sondern auch das Nachdenken und Reflektieren von gesellschaftlich relevanten Themen beinhalten sollte. Dabei ist eine fundierte Ausbildung unverzichtbar, die auch ethische Aspekte berücksichtigen sollte. Das Deutschlandradio setzt bei seiner Programmgestaltung auch zukünftig auf Qualitätsprogramme wie Hörspiele und Features. Dabei gibt es in Bezug auf die Zielgruppe keinen „Jugendwahn“. Die Zusammenstellung eines alterslosen Programms ist vielmehr der Maßstab. Die Sparzwänge dürfen jedoch nicht dazu führen, dass die journalistische Qualität sinkt. Kooperationen mit anderen Rundfunkanstalten auch im Ausland können dazu beitragen, Kosten zu reduzieren.

In seinem Impulsreferat betonte Prof. Dr. Michael Steinbrecher (Institut für Journalistik, Technische Universität Dortmund), dass anwendungsorientierte Forschung ein wichtiger Maßstab ist, um die Absolventen für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Es muss gelehrt werden, was in der Praxis gebraucht werde. Crossmediale Entwicklungen können ebenso in den Lehrplan einbezogen werden wie Konvergenzentwicklungen und Herausforderungen im Social Media-Bereich. Praxisphasen in Medienunternehmen sind dabei unverzichtbar. Fachkompetenzen, Vermittlungskompetenzen und Sachkompetenzen sind nach wie vor wichtig, um als Journalist erfolgreich arbeiten zu können. Gleichwohl sind inzwischen auch Technikkompetenzen, Führungskompetenzen, Unternehmenskompetenzen und Gründungskompetenzen in mehreren Medienfeldern erforderlich, um auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich bestehen zu können. Obwohl Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen, sollten im Rahmen der Journalistenausbildung auch PR-Kenntnisse vermittelt werden, da die Absolventen nach dem Studium häufig in PR-Agenturen oder Pressestellen arbeiten.

Das Panel 1 beschäftigte sich mit der Praxis des Volontariats im Rahmen der Journalistenausbildung.

Michael Geffken (Leipzig School of Media) konstatierte in seinem Statement, dass die Bereiche Crossmedia, die Technikorientierung sowie die Nutzer- bzw. Leserorientierung zentrale Aspekte im Rahmen der Journalistenausbildung darstellen. Ein Studium ist nicht zwingend erforderlich, um ein guter Journalist zu werden.

Annette Hillebrand (Akademie für Publizistik, Hamburg) hob hervor, dass Teamfähigkeit und Handwerkszeug im Rahmen der Ausbildung erlernt werden müssten. Die Kooperationen von Hochschulen mit Verlagen sieht sie grundsätzlich positiv. Sie beklagt, dass häufig kein Feedback nach dem Volontariat erfolgt und plädiert für ein Mentorenprinzip, um eine angemessene Betreuung zu gewährleisten.

Christian Lindner (Rhein-Zeitung, Koblenz) ging davon aus, dass Haltung, Werteorientierung, Persönlichkeit, Courage und Robustheit zu den Eigenschaften gehören sollten, die qualifizierte Berichterstatter auszeichnen sollten. Dabei muss nicht jeder alles können. Spezialisierung kann durchaus sinnvoll sein, um als Journalist erfolgreich zu sein. Auch er hält ein Mentorenprogramm für sinnvoll.

Prof. Dr. Ulrich Pätzold, der an der Universität Dortmund Journalistik lehrte, wies darauf hin, dass es inzwischen Zeitungen wie die Westfälische Rundschau gibt, die ohne eigene Redaktionen auskommen müssen. Inzwischen werden auch nicht mehr alle qualifizierten Volontäre von den Medien übernommen, an denen die ausgebildet worden sind. Er forderte weiterhin, dass der Journalismus mehr Migranten den Zugang in den Beruf ermöglichen solle, um dadurch neue Marktzugänge zu schaffen.

Maximiliane Rüggeberg (Nordbayerischer Kurier, Bayreuth) betonte, dass nicht „Technikfachidioten“ ausgebildet werden sollten, sondern Persönlichkeiten, die eine eigene Haltung besitzen. Das Handwerk dürfe nicht zu Lasten der Crossmediaorientierung aufgegeben werden. Auch er plädiert für ein stärkeres Feedback nach der Ausbildungsphase im Medienunternehmen und forderte „Kümmert Euch um die Volontäre“.

Das Panel: „Buntes Treiben auf dem Campus – Studium zwischen Modell und Mode“ beschäftigte sich mit den unterschiedlichen Perspektiven an staatlichen und privaten Hochschulen.

Prof. Dr. Beatrice Dernbach (Hochschule Bremen) vertrat die Auffassung, dass die Ausbildung vielfältiger geworden ist. Die Akkreditierung ist wichtig, um Qualitätsmaßstäbe zu überprüfen. Es gibt einen Wettbewerb zwischen den Hochschulen um die besten Studierenden. Weiterhin zeichnet sich ab, dass attraktive Nischen für neue Studiengänge gesucht werden. Kreative Freiräume sind für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Die Kooperation mit Zeitungsverlagen kann ein positiver Einstieg in den Job sein. Auch Dozenten sollten regelmäßig in die Unternehmen hospitieren, um die Anforderungen im Job besser einschätzen zu können.

Jana Lavrov (freie Journalistin, Berlin) sah neue Studiengänge wie Modejournalismus als Chance. Insgesamt werden eher Spezialisten als Alleskönner gesucht. Es sollte darauf geachtet werden, dass Journalisten von ihrer Vergütung auch leben können. Unternehmerisches Denken und Handeln ist dafür eine notwendige Voraussetzung. Konkret können Module wie Entrepeneurship, in denen auch Geschäfts- und Finanzierungsmodelle erarbeitet werden, einen positiven Beitrag für die Selbstständigkeit und Unternehmensführung leisten. Ausgebildete Journalisten können auch in die Politik einsteigen oder bei Nichtregierungsorganisationen einsteigen. Studierende sollten bereits frühzeitig mit Unternehmen zusammenarbeiten und entsprechende Möglichkeiten während der Ausbildung nutzen.

Prof. Dr. Klaus Meier (Universität Eichstätt) hob die Anwendungsorientierung auch in der Forschung hervor, die auch durch die Kooperation mit Redaktionen möglich ist. Dabei sollte der Fokus auf Innovationen gerichtet werden. Journalismus kann als gesellschaftlicher Wert begriffen werden. Eine Reflexion über den Beruf mit ethischen Leitlinien ist dafür zentral. Zudem ist neben der Forschung auch die Praxisorientierung unverzichtbar, um den Marktanforderungen gerecht zu werden.

Jörg Sadrozinski (Deutsche Journalisten Schule, München) beklagte, dass die Sachkompetenz in den Studiengängen häufig zu kurz kommt. Nebenfächer wie Politik, Soziologie, Geschichte sind relevant, um eine komplette Ausbildung zu bewerkstelligen. Es gibt ihm zufolge zu viele Ausbildungsbetriebe. Zertifizierungen und Qualitätssiegel sind daher notwendig, um eine angemessene Vergleichbarkeit der Hochschulen zu erreichen.

Prof. Dr. Stephan Weichert (Macromedia-Hochschule, Hamburg) hob die Aspekte Technisierung, Internationalisierung und Ausdifferenzierung als zentrale Aufgaben einer angemessenen Ausbildung hervor. Man ist angehalten, auf die Marktbedürfnisse eingehen, damit es Berufsperspektiven für die Studierenden gibt. Es ist von zentraler Bedeutung, dass die Absolventen „gut unterkommen“. Innovationsförderung ist ebenso relevant, wie anwendungsorientierte Forschung. Er plädiert für Verbundprojekte mit Hochschulen und praxisnahen Projekten.

In Ihrem Schlusswort mit Ausblick stellte Ulrike Kaiser als Sprecherin der Initiative Qualität im Journalismus fest, dass der Unsicherheitsfaktor im Journalismus insgesamt groß ist. Ein häufiger Berufswechsel im Journalismus ist inzwischen nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Insgesamt wird crossmediales Arbeiten immer wichtiger.

Die interessante Fachtagung hat deutlich gemacht, dass der Praxisbezug und die Berufsperspektiven inzwischen die zentralen Kriterien für ein Studium darstellen. Ob es dabei eher auf Spezialisten oder Generalisten ankommt, wurde kontrovers diskutiert. Es wurde herausgearbeitet, dass unternehmerisches Denken und Handeln durch eine qualifizierte Ausbildung auch für den Journalistenberuf zentral ist, um erfolgreich am Medienmarkt in ganz unterschiedlichen Bereichen bestehen zu können. Dabei sollte der öffentliche Auftrag der Kontrolle und Kritik ebenso wenig aus den Augen verloren werden, wie die inhaltliche Abgrenzung zur PR.