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Vortrag von zwei indischen Arbeitsrechtsaktivistinnen im Rahmen der FEMNET Speakers-Tour

Kleider machen Leute, aber wer sind die Leute, die unsere Kleider machen und unter welchen Arbeitsbedingungen werden diese hergestellt?

Bei einem Vortrag an der MD.H berichten Mary Viyakula und Deepika Rao, zwei Arbeitsrechtaktivistinnen, aus ihrer Arbeit gegen geschlechtsspezifische Gewalt in der indischen Textilindustrie. Gerade in den prekären Arbeitsverhältnissen der globalen Textilindustrie, in der 80% Frauen beschäftigt sind, tritt Gewalt gegen Frauen in Form von Zwangsarbeit, sexueller Belästigung, Diskriminierung bei der Jobauswahl oder unrechtmäßigen Kündigungen von schwangeren Frauen sehr häufig auf. In Indien ist es gesetzliche Vorschrift, dass in den Fabriken Komitees gegen geschlechtsspezifische Gewalt gebildet werden. Dieses Gesetz wird aber oftmals nicht umgesetzt. Die beiden Aktivistinnen berichten über ihre jeweiligen Erfahrungen.

Deepika Rao berichtet von ihrer Arbeit bei der indischen NRO Cividep India in Bangalore. Diese untersucht die Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeiterinnen in der globalen Lieferkette und unterstützt diese im Kampf um bessere Löhne, sicherere Arbeitsplätze und gegen Diskriminierung in Fabriken, die für globale Markenunternehmen produzieren.

Mary Viyakula ist die Geschäftsführerin der NGO SAVE in Tiruppur, Tamil Nadu. Sie berichtet vor allem über die Zustände in den lokalen Spinnereien, in der junge Frauen in Zwangsarbeit diskriminiert werden und unter menschenunwürdigen Konditionen arbeiten. Ihre NGO hilft Arbeiterinnen, klärt diese über ihre Rechte auf und organisiert Schulungen für Gewerkschaften.

Laut Mary Viyakula liegt das Problem oft bei den Bekleidungsunternehmen, die ihre Lieferkette nicht kennen. Deshalb müssen Unternehmen, die in diesen Ländern produzieren lassen, besonders darauf achten, dass ihre Lieferanten keine Gewalt am Arbeitsplatz dulden und vorbeugende Maßnahmen treffen. Außerdem fordert Mary die Unternehmen zu mehr Transparenz innerhalb der Lieferketten auf, indem sie Produktionsstätten offenlegen. Laut Deepika Rao gefährdet auch der immer größer werdende Druck der Textilbranche die menschenwürdigen Arbeitsbedingungen in den Fabriken. Dazu gehören vor allem die immer kürzer werdenden Lieferzeiten und die immer niedrigeren Preise, die von Bekleidungsunternehmen gefordert werden.

Was kann jeder Einzelne von uns tun? Wir können helfen das Wissen dieser Missstände zu teilen, vor allem auf Social-Media-Kanälen soll geholfen werden, das Bewusstsein der Käufer zu fördern. Beim Kauf eines Produktes kann der Konsument zudem folgende Frage an den Hersteller stellen: Ist dieses Produkt unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen produziert?

Diese Veranstaltung fand im Rahmen der FEMNET Speakers-Tour statt, eine Organisation, die sich für faire Arbeitsbedingungen von Frauen und Mädchen in der globalen Textilproduktion einsetzen. Die Speakers Tour wurde durch die zivilgesellschaftlichen Akteure im Textilbündnis organisiert.