Im Fokus

Anna tanzt IV – Media Lab 2009: Der Studiengang Mediadesign kooperiert mit dem Bayerischen Staatsballett

»Innovation und Kreativität sind Kollaboration Prozesse: Du bist, was du teilst. Nicht nur, was du besitzt.« Charles Leadbetter

Im Rahmen einer Tanztheateraufführung des Bayerischen Staatsballetts, des Kinder- und Jugendprogramms 2008/2009, mit dem Titel »Anna tanzt IV«, entwickelten die Studierende der MD.H, im Rahmen des Moduls Media Lab, die zentrale Aufführung begleitende und konfrontierende Medieninstallationen.
War das Forschungsmodul bisher auf interaktive Ausstellungsszenografie fokussiert, ergaben sich jetzt über das Angebot des Mediendramaturgen Horst Konietzny erweiterte intermediale Perspektiven in Richtung Theaterszenografie.
Die Inszenierungen von Horst Konietzny flottieren im Grenzbereich von Musik, bildender Kunst und Theater und binden die performativen Aspekte der neuen Medien in seine interaktiven Inszenierungen mit ein.

Die Aufführung »Anna tanzt IV« widmete sich dem Verhältnis von Jung und Alt. 90 Kinder der 8. Jahrgangsstufe des Münchner St. Anna Gymnasiums und die Abschlussklasse der Berufsschule zur Berufsvorbereitung in Bogenhausen (Jugendliche ohne Hauptschulabschluss) trafen auf eine Gruppe alter Menschen über 70. Ab wann ist man alt? Wie fühlt man das Altern, wie fühlt es sich an? Und welche Erinnerung haben die Alten an ihre Jugend? ›I hope I die before I get old‹ sangen die WHO und sind nun selber alt. MY GENERATION vergreist, aber niemand möchte dabei sein, wenn es passiert. In Brasilien ist der Gutschein für den Schönheitschirurgen ein beliebtes Abi-Geschenk und die kleine Botoxinjektion für zwischendurch wird vielleicht bald so selbstverständlich sein wie das tägliche Deo.«[1]

Abb 1:  Editorial, Über die Videoproduktion von »Anna tanzt IV«, S.30, Fotografie: Oskar Henn, Sebastian Lachermeier.

Abb 1: Editorial, Über die Videoproduktion von »Anna tanzt IV«, S.30, Fotografie: Oskar Henn, Sebastian Lachermeier.

An dem „Interdisziplinären“ Projekt beteiligte Künstler

  • der Regisseur und Medienkünstler/-dozent Horst Konietzny aus München
  • die tschechische Choreographin Lenka Flory,
  • Mitglied des Ensembles »déjà donné« aus Italien,
  • die Cellistin Johanna Varner aus München,
  • die Tanz.Video-Filmerin Suzon Fuks, Australien,
  • Tänzer des Bayerischen Staatsballetts und der freien Tanzszene,
  • München, u.a. Caroline Geiger, Peter Jolesch, Anna Ressel, Isabell Kappler
  • Parallel zu dem Projekt erarbeiteten die Studenten der Mediadesign Hochschule München Medieninstallationen im Studio der Muffathalle, die sich dem Thema Jugend und Alter widmeten.
  • Technische Leitung: Joachim Ehrler Idee/produktionsleitung: Bettina Wagner-Bergelt

Beteiligte Kooperationsteams

  • Mitarbeiter der Klinik f. physikalische Medizin/Rehabilitation & Institut für Gesundheits- und Reha,
  • Wissenschaften der LMU, Dr. Ilmberger/Dr. Grill,
  • Studierende der Hochschule für Film und Fernsehen,
  • Studierende des Instituts für Medienpädagogik,
  • Studierende des Instituts für Theaterwissenschaften der LMU, Dr. Katja Schneider,
  • Studierende der Hochschule München, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Andreas de Bruin,
  • Tanz und Schule e.V. Access to Dance/Tanzplan München [2]

Die Medieninstallationen

Vier Projektgruppen entwickelten im Rahmen des Media Labs unter der künstlerischen Leitung von Gerhard Wittmann/Prof. Eduard Mittermaier und der technischen Leitung von Michael Franke, in Zusammenarbeit mit Horst Konietzny individuelle Interpretationen des Themas.
Eine zentrale Medieninstallation wurde korrespondierend zur Tanzaufführung im Studio der Muffathalle dem Publikum präsentiert. Neben der zentralen Installation wurde die Arbeit »Spuren des Lebens« in einer interaktiven Fassung realisiert.
Den Ausgangspunkt der verschiedenen Interpretationen bildete ein zentral im Ausstellungsraum postiertes reaktives Buch. In das Buch integrierte QR-Codes wurden mittels einer Webcam ausgelesen, so dass jeweils zu den im Buch dokumentierten Themeninterpretationen synchrone Videoprojektionen den Buchraum erweiterten.

Abb. 2: »reactive book«

Abb. 2: »reactive book«

Projekt 01 | »Generation unentbehrlich«

Team: Kristin Propfe, Cuno von Hahn, Sebastian Trettel, Sebastian Lachermeier

Kristin Propfe, Cuno von Hahn, Sebastian Trettel und Sebastian Lachermeier stellen sich in ihrem Projekt mit dem Titel »Generation unentbehrlich« die Aufgabe, die konfliktbehaftete Situation der Altersdiskriminierung in den Fokus des gesellschaftlichen Interesses zu rücken.
Um dieses Ziel wirkungsvoll zu erreichen, wird eine »alte« Person in der Öffentlichkeit als würde-, nutz-, und wertlos inszeniert. In einer der Tanztheateraufführung vorangestellten Aktion wurden dazu auf einen »Altersprotagonisten« provozierende Wortbilder projiziert und das Verhalten der Passanten, wie deren spontane Meinung, in Interviews dokumentarisch erfasst. Ziel war es, über die direkte Konfrontation mit der Thematik, bei der jüngeren Generation ein Bewusstwerden und Überdenken verankerter Vorurteile zu erreichen. [3]

Abb. 3: Medien-Installation »Generation unentbehrlich« bei Eintreten der Dämmerung, Schellingstr. 15, Donnerstag , 7. Mai. 09 – Team: Kristin Propfe, Cuno von Hahn, Sebastian Trettel, Sebastian Lachermeier.

Abb. 3: Medien-Installation »Generation unentbehrlich« bei Eintreten der Dämmerung, Schellingstr. 15, Donnerstag , 7. Mai. 09 – Team: Kristin Propfe, Cuno von Hahn, Sebastian Trettel, Sebastian Lachermeier.

Abb. 4: Medien-Installation »Generation unentbehrlich«.

Abb. 4: Medien-Installation »Generation unentbehrlich«.

Projekt 02 | »Spuren des Lebens«

Team: Amélie Zilliox, Markus Riegel, Joachim Fröstl, Alexander Knoll, Jan Wollny

Im Projekt »Spuren des Lebens« von Alexander Knoll, Joachim Fröstl, Markus Riegel, Jan Wollny und Amélie Zilliox geht es darum, Spuren die man in den verschiedenen Lebensaltern hinterlässt, hörbar und sichtbar zu machen. Visuell geschieht dies durch Linienbündel, die sich je nach Lebensalter durch Farbe, Strichbreite und Bewegung unterscheiden.
Jeder Besucher, der einen festgelegten Performance-Raum durchschreitet, erzeugt seinem Alter, Habitus und Bewegungsprofil entsprechend seismografische Linien- und Klangstrukturen, die synchron auf eine Leinwand projiziert werden. Die interaktive Installation ähnelt so in abstrakter Weise der Tanztheateraufführung. [4]

Abb. 5: »Spuren des Lebens« Alterscodierung.

Abb. 5: »Spuren des Lebens« Alterscodierung.

Abb. 6: Medieninstallation »Spuren des Lebens«, ko-kreative Besucher der Installation hinterlassen deren Alter entsprechend seismische Bildspuren.

Abb. 6: Medieninstallation »Spuren des Lebens«, ko-kreative Besucher der Installation hinterlassen deren Alter entsprechend seismische Bildspuren.

Quellenverweise

[1] http://w w w.bayerische.staatsoper.de/1083~staatsballet t~kinderprogramm~anna_tanzt.html, 02.07.2009
[2] ebenda, 02.07.2009
[3] Vgl. Konzeption »Generation unentbehrlich«, Kristin Propfe, Cuno von Hahn, Sebastian Trettel, Sebastian Lachermeier
[4] Vgl. Konzeption »Spuren des Lebens«, Kristin Propfe, Amélie Zilliox, Markus Riegel, Joachim Fröstl, Alexander Knoll, Jan Wollny