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In Brand we Trust – Visuality 2015: Intercultural Creative Discourses

Am 23. bis 24. April 2015 fand im litauischen Vilnius die internationale Konferenz „Visuality 2015: Intercultural Creative Discourses“ statt. Der Eindruck, den eine Konferenz hinterlässt, besteht aus einer Kombination zwischen dem Thema, den gemachten Kontakten und der Atmosphäre, die der Veranstaltungsort ausströmt.

Dr. Thomas Meyer, MD.H

Dr. Thomas Meyer, MD.H

Vilnius ist in dieser Hinsicht ein Hidden Champion. Kein Event wie New York, London, Istanbul – mit diesen Städten hat die Hauptstadt von Litauen wenig gemein. Bietet aber eine gute Küche, ein durchaus ansprechendes Nachtleben (für das Bier nach der Konferenz) eine sehenswerte, fußläufig erschließbare Stadt mit kulturellen Sehenswürdigkeiten zu – sagen wir – studentischen Preisen.
Slowenien, Litauen, Polen, Ukraine, Rumänien, Russland (abgesehen von einem Vertreter aus den USA und Taiwan) die Herkunftsländer der Konferenzteilnehmer lesen sich wie eine Zusammenkunft ehemaliger Warschauer Pakt Staaten. Daraus Übereinstimmungen und Affinitäten abzuleiten wäre ein Trugschluss. Interessensgebiete und kultureller Background der Konferenzteilnehmer weisen große Unterschiede auf. Vor allem auch interessante Einsichten, wenn etwa interkulturelle Einflüsse bei der Formation des Tangos beleuchtet (Agnieska Juzefovic) werden oder „Augmented Reality Art in Various Cultural Contexts“ (Elena Sakalauskaité) präsentiert wird. In „Regime of Visuality in L. Kirkwood’s Chimerica“ untersucht Pao-Hsiang Wang wie das Bild eine Mannes, der sich 1989 auf dem Tiananmen Platz vor einen auffahrenden Panzer stellt, quasi Auge in Auge mit dem Panzerrohr. Diese Bild gerät zum Klischee westlicher Bildkonventionen über den asiatischen Heroismus.
Formen der Untertitelung und des Dubbings von audiovisuellen Filmen lassen die Frage aufkommen, inwieweit Übersetzungen kulturelle Anpassungen enthalten wie Julianna Borbély in ihrem Beitrag „Bound by Language: Aaptation and /or Fidelity in Translating Animations Films“ darstellt. In “Online Artistic Activism as effective Intercultural Communication” untersucht Gizela Horváth den künstlerischen Ausdruck im Internet, dem interaktiven Ort par excellence. Die in Internetplattformen präsentierten Kunstwerke enthalten sowohl künstlerische als auch soziale Botschaften und stellen klassische künstlerische Paradigmen in Frage: Autonomie des Kunstwerkes, Autorschaft, Einzigartigkeit und die soziale Funktion von Kunst.
Dass Marken im Zeichen der Globalisierungen einem Spannungsverhältnis ausgesetzt sind, ist er Ausgangspunkt des Beitrages von Frank Thomas Meyer. Einerseits führt die Standarisierung von Werbung, Verpackung und Produkteigenschaft zu Kostenvorteilen, anderseits sind gerade diejenigen Marken erfolgreich, welche Spezifika von kulturellen Eigenheiten berücksichtigen. In dem Beitrag „In Brand we trust. Transcultural Global Branding“ zeigt der Autor beispielhaft an Starbucks Expansionsdrang die Chancen und Risiken des Marken- und Imageaufbaus von globalen Marken auf. Die zahlreichen Wortbeiträge aus den oben genannten Ländern zeugen von der Vielfältigkeit und großen Differenz der Consumer im Umgang mit globalen Marken, was sich beim anschließenden Konferenzkaffee in die gemeinsame Leichtigkeit des Genusses verwandelte.