Im Fokus

Besuch der Munich Fabric Start (MFS)

Farbthemen Frühjahr/Sommer 2014

Foto von der Munich Fabric Start 2013

Foto von der Munich Fabric Start 2013.

Die kommende Frühjahr/Sommer-Saison stand auf der Munich Fabric Start (MFS) unter dem Motto „Beauty Full“. Mit diesem Stimmungsbild soll beschrieben werden, dass „die Schönheit“ wieder in den Mittelpunkt der modischen Ambitionen der Designer rückt. Eine reiche Schönheit, die sich nicht unbedingt in überschwänglicher Opulenz ausdrücken wird. Es handelt sich eher um einen klaren ästhetischen Anspruch an die kommenden Modethemen.

Auch wenn die Farbe Gold und goldener Schimmer sehr deutlich angepriesen wurden, hat diese Ästhetik nichts mit „Bling Bling“ zu tun. Das Gold steht für den Wert, auf den es in der kommenden Saison ankommen wird. Es handelt sich um ein elegantes Gold, das gezielt einzusetzen sein wird. Nur in der richtigen Dosierung kann die Farbe Gold den ästhetischen Reichtum ausdrücken, der den Frühjahr/Sommer-Kollektionen die Innovation verleiht, die dringend gebraucht wird.

Es wird in der kommenden Saison sehr darauf ankommen, wie die Designer die Materialien und Farben so miteinander kombinieren, dass deren Einsatz wirklich ein neues Bild erschafft. In den letzten Saisons wurde sehr auf Farbe gesetzt. Die Farben wurden teilweise sehr „wild“ miteinander kombiniert. Nun folgt eine Beruhigung des Farbbilds, ohne dass die Farben „verloren“ gehen.

Farben bleiben wichtig, allerdings werden sie eher tonig zueinander gestellt. Unterschiedliche Nuancen eines Farbtons werden harmonisch miteinander in Beziehung gesetzt. So kann leuchtendes Flamingo-Orange mit einem abgepuderten Ton der gleichen Farbe, sowie ein entsprechender Pastellton, mit neutralen Farben kombiniert werden. Die neutralen Farben bewegen sich hauptsächlich in natürlichen Tönen. Beige-, Sand- und Stein-Töne bestimmen diese Palette der Grundfarben.

Die MFS stellt im Wesentlichen folgende Farbthemen vor:

„SWEET FICTION“

Das Thema „Sweet Fiction“ beinhaltet die Grundfarben Weiß, Taupe, Kitt und Silbergrau. Dazu kommt noch ein Zimt-Ton, der in leichtem Glanz am besten zur Geltung kommt. Außerdem werden ein zarter, leicht geweißter Pastellton in einer Pistazien-Nuance, sowie ein blasses Limetten-Grün kombiniert. Für einen leichten Kontrast kann noch ein zarter Apricot-Ton dagegen gestellt werden. So wäre das Thema allerdings nicht mehr tonig aufgebaut.

Stattdessen kann auch der zarte Apricot-Ton mit den Grundfarben kombiniert und die Grün-Töne können weggelassen werden. Daher eignet sich dieses erste Farbthema dazu, zwei aufeinanderfolgende Farbthemen daraus zu machen. Der Grundcharakter des Themas bliebe erhalten, es würde lediglich noch einmal mit einer Kontrastfarbe in einem folgenden Liefertermin aufgefrischt.

Die farbliche Inspiration zu diesem Thema kommt zunächst aus den 50er- und 60er-Jahren, einer Zeit, in der modische Bekleidung im Wesentlichen durch Pastelltöne geprägt war. Auch stilistisch ist dieses Thema an die 50er- und 60er-Jahre angelehnt. Die vorwiegend warme Farbpalette lässt Erinnerungen an ein italienisches „Eisdielen-Flair“ aufkommen und erinnert auch an die „gute alte Vespa“. Dabei dürfen allerdings die nostalgischen Einflüsse nicht zu sehr davon ablenken, dass Einrichtungen und technische Geräte damals sehr modern und futuristisch konzipiert und umgesetzt wurden. Daher gehört auch der Gedanke an Modernität und technologische Entwicklungen zu diesem Thema. Übersetzt auf die heutige Zeit bedeutet dies, dass auch Hightech-Materialien und neue Beschichtungen zum Einsatz kommen können. Erst dann gewinnt dieses Farbthema an Aktualität, es ist kein Retro-Look, der erzeugt werden soll, es ist eher ein Look zu konzipieren, der futuristische Anklänge hat.

Durch die gedämpften Pastelle und durch die klaren Grundfarben wirkt das Farbthema sehr frisch. Diese Frische ist allerdings nicht kalt und starr, sondern fröhlich und warm.

Natürlich ist dieses Thema trotz futuristischer Retro-Inspirationsmöglichkeiten nicht frei von dekorativen Elementen. In dieser Farbgruppe können wunderbar Plissées, Rüschen und Volants stattfinden. Die Interpretation der Formen sollte dabei aber nicht „zuckersüß“ werden, denn dann ginge die Aktualität und Modernität verloren. Es handelt sich nicht um ein Zuckerbäcker-Thema, sondern um die Übersetzung eines solchen Themas in eine futuristische Welt.

Die pastellige Farbharmonie wirkt beruhigend und genauso muss auch die Interpretation der Formen und Modelle in dieser Farbigkeit sein, da sonst keine Innovation dargestellt werden kann. Sanfter Glanz oder leichter Glitzer unterstützen die futuristische Aussage der Farben, sowie die Femininität, die hier zum Ausdruck gebracht werden soll. Perlmuttschimmernde Oberflächen können in dieser Farbgruppe nicht nur bei Accessoires zum Einsatz kommen. Dieser Schimmer soll allerdings nicht an die Natürlichkeit einer Muschel erinnern, sondern vielmehr an eine hoch technisierte Welt.

Die Stoffe in diesem Thema sollten zart und leicht sein, gerne transparent und/oder irisierend. So eignet sich diese Farbharmonie eher für die Liefertermine März oder April, wobei die Farben auch für flauschigen Strick früher geeignet wären.

Die Farben werden nicht kontrastig miteinander kombiniert, sondern tonig. Auch gleiche Farben, die auf unterschiedlichen Materialien, die durch Lichtbrechung unterschiedlich nuanciert aussehen, können miteinander kombiniert werden. Eine gelungene, moderne Übersetzung dieser Farbigkeit kann durchaus sportiv sein. So bieten sich bei den Dessins eher geometrische Drucke oder kleine Krawattenmuster an. Farbverläufe in unterschiedlichen Dip-Dye-Techniken, sowie futuristische Batiken können dieses Thema ebenso bereichern. Mehrlagigkeit transparenter Stoffe kann zu interessanten irisierenden Effekten führen. Es müssen nicht unbedingt Beschichtungen eingesetzt werden, die die natürlichen Eigenschaften der Materialien verfälschen. So ist dieses Thema durchaus geeignet für ökologische Materialien.

Farben „SWEET FICTION“

Farben „SWEET FICTION“.

„BUENAS DIAS MESIAS“

Das zweite Farbthema ist ethnisch inspiriert. Als Basisfarben dienen Schwarz, Weiß, Ecru, ein sehr goldener Sand-Ton und Gelbgold. Dieses Thema ist angelehnt an die Bekleidung der Menschen in Südamerika, vermischt mit den Einflüssen der Bekleidung Spaniens. Daher spielen die Farbe Rot („Valentino-Rot“) und ein kräftiges rotes Pink eine wesentliche Rolle. Dieses kräftige rote Pink ist schon fast eine Neonfarbe. Als Kontrast zu den Rot-Tönen wird die Farbe Smaragd gestellt. Die Farben in diesem Thema sind sehr satt und klar. Historisch gesehen spielen die Farben Schwarz, Weiß und Rot bei der hispanischen Kleidung die größte Rolle. Bei der Bearbeitung dieses Farbthemas geht es vor allem darum, so kunstvoll mit diesen Farben umzugehen, dass die Farbgebung Schwarz-Weiss-Rot nicht „altbacken“ wirkt. Dies kann gelingen, wenn symbolische und ethnische Dessinierungen in dieser Farbigkeit coloriert werden.

Die weiteren Farben des Themas können als Schmuckfarben Verwendung finden, um die Muster ein wenig aufzulockern. Aufgrund der hispanischen Inspiration entbehrt dieses Thema nicht einer gewissen Opulenz. Wenn zum Beispiel Elemente der Bekleidung der Matadoren übernommen werden, sind Pailletten, goldene Stickereien und Fransen durchaus denkbar. Die Kunst hierbei ist, diese Stilelemente so zu reduzieren, dass nicht der Eindruck einer Kostümierung entsteht. Opulenz darf und muss in dieser Farbgruppe eine Rolle spielen, allerdings sollte immer nur ein besonderes Stilelement „zitiert“ werden.

Das Thema ist natürlich nicht unbedingt streng „hispanisch“ aufzufassen. Es ist ein Thema mit dem Schwerpunkt auf Südamerika und Spanien. Es können auch ohne Bedenken Stilelemente aus anderen Kulturen und Regionen der Welt verwendet werden. Eine schöne Leitlinie für die Übersetzung dieses Looks in der DOB ist die Fragestellung: „Wie würde Zorro als Frau im Jahre 2014 aussehen?“.

Auf der einen Seite dürfen die Schnitte eng und knackig sein, auf der anderen Seite können auch Ponchos und Umhänge der Südamerikaner ins Moderne übersetzt werden. Die nötige Femininität in der DOB lässt sich aus Inspirationen des Flamenco generieren. Tiefe Ausschnitte und weite Dekolletés unterstreichen die feurige Erotik, die dieses Thema ebenso beinhalten kann. Dabei sollte unbedingt eine gewisse Strenge ausgedrückt werden, eine erotische Strenge wie beim Tango oder Flamenco.

In diesem Modethema darf natürlich auch die Spitze als Material nicht fehlen. Diese sollte vorwiegend Schwarz sein, in Ausnahmefällen Weiß oder Rot.

Auch dieses Farbthema kann modern übersetzt werden, statt klassischer Spitze würden in diesem Fall zum Beispiel moderne Laser-Cuts eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang sind auch Flecht-Techniken denkbar, sie sollten aber nicht zu handwerklich aussehen, damit die Übersetzung modern bleibt.

In diesem Farbthema darf der Mann ruhig zu glänzendem Satin greifen, er sollte allerdings darauf achten, dass die Maskulinität dabei nicht verloren geht.

Tonige Drucke bewahren davor, dass das Thema zu folkloristisch interpretiert wird. Immerhin soll eine ethnisch angehauchte, leicht verruchte Eleganz dargestellt werden, ebenso wie klare ethnische Dessins. Die Dessins dürfen völlig neu interpretiert werden, futuristische Ethnomuster geben diesem Look eine innovative Note. Durch die richtige Aussage der Muster kann dieses Thema sehr urban und sportlich wirken und eben nicht verspielt. So können ethnische Dessinierungen einem sehr breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Dezente Opulenz beherrscht also dieses Farbthema, das auch innovativer wirken kann, wenn mit der Verteilung der Farben Schwarz, Weiß und Rot gespielt wird. Wenn der Weiß-Anteil höher wird und Schwarz und Rot lediglich als Schmuck- und Akzentfarben eingesetzt werden, wirkt das Thema unter keinen Umständen „altbacken“.

Farben „BUENAS DIAS MESIAS“

Farben „BUENAS DIAS MESIAS“.

„LA CODE“

Das dritte Farbthema, das von der MFS vorgeschlagen wird, erinnert sowohl in der zentralen Farbigkeit, als auch in der stilistischen Vorgabe an die erfolgreichen Gucci-Kollektionen von Tom Ford. Die Farben sind auf der einen Seite warm, auf der anderen Seite kühl bis kalt. Als Basisfarben stehen ein sehr dunkles („Mitternachts-„) Blau, Silber, Khaki und Kupfer zur Verfügung. Dazu werden Violett, Türkis, Kürbis und ein kräftiger Brombeer-Ton gestellt. Die Kühle einiger Farben soll die Kälte und Modernität einer Großstadt widerspiegeln. Die Fassaden moderner Hochhäuser, die unterschiedlicher Beleuchtung ausgesetzt sind, bilden die Inspirationsquelle für die Farbigkeit und auch für die geometrischen Formen und Dessins.

Der Look und die Schnitte lehnen sich, wie einst schon bei Ford, an die Mode Halston‘s an. Die schlanke fließende Silhouette aus den 70er Jahren muss in diesem Thema aufgegriffen und neu interpretiert werden. Die Herausforderung liegt dabei in der geforderten Schlichtheit dieses Themas. Die Bekleidung muss sehr körpernah und akkurat sitzen, was eine Massenproduktion schwierig macht. Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass der angestrebte Look am besten an sehr schlanken Personen aussieht. Das gilt nicht nur für den metrosexuellen Mann, sondern auch für die dazu passende moderne und elegante Frau.

Die Besonderheit dieses Looks drückt sich vor allem über den schmalen Schnitt und die fließenden Materialien aus, so dass dieser Look auf größeren Flächen schnell zu schlicht oder zu langweilig wirken kann. Es bieten sich geometrische Muster und Colour-Blocking als Dessinierungen an, so können auch große und schlichte Flächen ausreichend „bespielt“ werden. Weichere Dessins, die zu dieser Farbigkeit und Thematik passen, sind Farbverläufe und von Wasser inspirierte Muster. Ein leichter Schimmer auf der Stoffoberfläche kann sowohl an weiches Wasser, als auch an hartes Metall erinnern. Glanz und Wet-Look sind sehr wichtig in diesem Thema, wobei auch hier eine sportive Eleganz dem dramatischen Glamour vorzuziehen ist. Lackglanz gehört ebenso in diese Farbwelt und muss so gezeigt werden, dass der cleane Charakter erhalten bleibt.

Die Farben werden hauptsächlich als Unis verwendet. Bei Streifen sind breite Blockstreifen den schmaleren Streifen vorzuziehen. Damit die Uni-Farbflächen interessant wirken, können innerhalb eines Farbtons verschiedene Materialien miteinander kombiniert werden. Ebenso können matte und glänzende Oberflächen in der gleichen Farbe zusammengestellt werden.

Farben „LA CODE“

Farben „LA CODE“.

„ENGINEERED JUNGLE“

Das vierte Thema hebt sich gänzlich von den vorherigen Themen ab. Es lebt von wirklich „bunten“ Kombinationen von Farben, während die anderen Themen jeweils tonig mit Kontrastfarben aufgebaut waren. Diese Farbwelt wird gebraucht, um die Vielfalt der digitalen Drucktechnik in einer Gruppe unterzubringen. Dieses Programm ist geeignet für den Saisonstart oder für das Ende der Sommersaison 2014. Es kann als modernes „Summer-Darks“-Thema aufgefasst werden, welches um satte Farben angereichert wird.

Basisfarben sind ein sehr dunkles Grün, ein erdiges und trockenes Khaki und eine Sandstein-Farbe, die an natürliche Bastfasern erinnert. Als krasser Gegensatz dazu werden ein leicht geweißtes Neon-Orange, ein blasser Rhabarber-Ton, ein kräftiges Pastellgelb, ein helles Kobaltblau, sowie ein sattes Kleegrün kombiniert.

Das interessante an diesem Farbthema ist, dass jeweils die Kombination der Basisfarben mit nur einer Akzentfarbe bereits ein harmonisches Thema ergeben würde. In diesem Thema geht es aber darum, eine große Farbvielfalt auszudrücken, einen exotischen tropischen Dschungel darzustellen. Bei aller Natürlichkeit darf aber nicht der Anspruch an den technischen Fortschritt vergessen werden, immerhin heißt das Thema „Engineered Jungle“. Dies drückt sich dann vor allem in den Dessinierungen dieses Themas aus – digitale Drucke in allen möglichen Variationen können in diesem Thema gezeigt werden. Ebenso spielen Tierfelle und Camouflage aufgrund der Dschungel-Inspiration eine bedeutende Rolle. Diese Motive können mit Hilfe digitaler Techniken verzerrt, verfremdet oder verpixelt werden.

Jacquards eignen sich sehr gut als „Transportmittel“ der exotischen Bilderwelten. Für Sportivität sorgen moderne technische Gewebe-Ausrüstungen.

Dieses Thema ist das komplexeste Modethema der kommenden Saison, denn es gilt trotz aller möglichen Vielfältigkeit, bei der Kollektionserstellung und Interpretation der Farbwelt, Ruhe zu zeigen und zu bewahren.

Farben „ENGINEERED JUNGLE“

Farben „ENGINEERED JUNGLE“.

Auch das Farbthema aus der Bluezone, „OVERGROUND NOMADIX“ ist futuristisch und visionär aufzufassen. Blue Denim spielt zukünftig wieder eine größere Rolle. Stilistisch und von der Materialität her lebt das urbane Nomadenthema von dem Gegensatz von Vintage-Looks und Hightech-Materialien. Die Farben scheinen zunächst unspektakulär, bis auf ein blasses Pink könnten alle Farben von einem Blick über die Brooklyn Bridge bei Sonnenaufgang stammen. Schwarz, Silbergrau und Weiß, sowie Denim-Blau (mit Tendenz zu Chrom-Blau), ein erdiger Bronze-Ton, ein bräunlicher Stein-Ton sowie kupfernes Gold spiegeln im großen Ganzen die Farben urbaner Architektur wider.

Die Innovation in dieser Farbgruppe resultiert daher eher aus der neuen Kombination von Materialien und Styles. Authentisch wirkende Materialien werden mit technischen Materialien kombiniert und dadurch ergibt sich ein völlig neuer Look. In diesem Thema wird viel gepatcht und beschichtet. Bedruckter Denim spielt eine wichtige Rolle, ebenso wie metallische oder glänzende Oberflächenbeschichtungen.

Elegant wirkende Stoffe werden in typischen Streetstyle-Formen umgesetzt, so dass es scheint, als würde die Jugendmode langsam erwachsen.

Insgesamt war auf der MFS festzustellen, dass der Trend zu Hightech-Materialien in gar keinem Gegensatz zu den Themen Ökologie und Nachhaltigkeit steht. Fairness, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung rücken langsam mehr in den Fokus der Verbraucher. Die Betonung hierbei liegt auf „langsam“, denn noch hat die Branche keine adäquaten Lösungen parat, einen entsprechenden Einfluss auf das Preisbewusstsein ihrer Kunden auszuüben.

Quellen:

Farbkarte und Farben der Munich Fabric Start, Spring/Summer 2014