Im Fokus

Pipeline – Mehr als eine technische Infrastruktur

Eine gut strukturierte und funktionierende Pipeline sollte das Rückgrat einer jeden Animations- oder VFX-Filmproduktion bilden. Dies gilt ganz unabhängig davon, ob diese von einem kleinen überschaubaren Studio oder einer global agierenden Firma mit mehreren, über die Kontinente verstreuten, Standorten durchgeführt wird. Oder ob es sich dabei um einen Spiel-, Dokumentar, oder Werbefilm handelt. Mit Hilfe einer Pipeline kann ein reibungsloser, ressourcensparender Produktionsablauf gewährleistet werden, der vor allem eins im Auge behält: Die Einhaltung der Budgets bei größtmöglichem kreativen Spielraum. Was eine solche Pipeline genau bedeutet und welche Aspekte bei ihrem Aufbau alle zu beachten sind, soll im Folgenden genauer beleuchtet werden.

Bildquelle: http://waterandenergysolutions.nl/wp-content/uploads/2013/10/270_1exxon_mobil_singapore_chemical_plant_sclr.jpg

Bildquelle: http://waterandenergysolutions.nl/wp-content/uploads/2013/10/270_1exxon_mobil_singapore_chemical_plant_sclr.jpg

Der Begriff der Pipeline oder des pipelining, um es als Vorgang zu beschreiben, lässt sich aus ganz unterschiedlichen Bereichen herleiten.
Sein Ursprung und die wohl gebräuchlichste Verwendung entstammt der Energiewirtschaft beziehungsweise der chemischen Industrie. Hier dient eine Pipeline zum Transport von Rohstoffen, wie Erdöl oder Erdgas von den Quellen zu den Orten der Weiterverarbeitung. Auch das Gewirr von Röhren eines Chemiewerks liefert ein sehr passendes Bild. Werden dort doch unterschiedlichste Inhaltsstoffe in den verschiedenen Aggregatszuständen getrennt, verfeinert, transformiert, immer wieder weitertransportiert und wieder gemischt um letztendlich ein Endprodukt zu erhalten.

Ebenfalls kennt die technische Informatik den Begriff der Pipeline. Allgemein betrachtet bedeutet er hier das gleichzeitige, getaktete Durchführen mehrerer Rechenprozesse auf einem Prozessor oder auch die feste Abfolge soft- und hardwarecodierter Aufgaben wie beispielsweise die Pipeline einer Grafikkarte zur in Pixel gerasterten Darstellung eines schattierten 3d-Modells auf einem Monitor.
Eine dritte Wortbedeutung findet sich im Unternehmens- beziehungsweise Produktmanagement und beschreibt den Ablauf der Entwicklung eines Produktes von der Idee bis zu dessen Fertigstellung. Handelt es sich um den gleichzeitigen Fortschritt mehrerer Produkte, bildet die Priorisierung oder Parallelisierung von Entwicklungsprozessen eine wesentliche Grundlagen des pipelining.

Betrachtet man nun eine mögliche Pipeline für eine Animations- oder VFX-Filmproduktion, so lassen sich all diese Begrifflichkeiten dort wiederfinden. Natürlich weicht die Pipeline eines rein computergenerierten Films in einigen Abschnitten von der eines mit visuellen Effekten gespickten Realfilms ab, doch grundsätzlich gliedert sie sich immer in die Phasen der Pre-Production, der Production und der Post-Production, wie seit jeher bei der Entstehung eines Films üblich. Letztendlich findet innerhalb einer Pipeline eine Virtualisierung der klassischen Filmgewerke sowohl in der Stoffentwicklung, der Planung und der Organisation, wie in der Umsetzung. in unterschiedlichen Graduierungsstufen statt.

Die Pipeline lediglich auf die technische Infrastruktur, also auf die verwendete Hard- und Software, die Netzwerke und die Kommunikationkanäle zu reduzieren, würde jedochdeutlich zu kurz greifen. Zu einem sinnvollen pipelining sind natürlich auch die künstlerischen Entstehungs- und Entscheidungsprozesse und die daran beteiligten Artists mit ihren speziellen künstlerischen Fähigkeiten und Workflows zu betrachten. Letztendlich bildet die Pipeline das Bindeglied zwischen beiden Gegebenheiten innerhalb des Produktionsablaufs, da sie auch organisatorische Aspekte wie Zeitbudgetierungen oder Screenings von Zwischenständen und deren Abnahmen beinhaltet.

3D Production Pipeline by Andy Beane. Bildquelle: http://www.upcomingvfxmovies.com/wp-content/uploads/2014/03/3d_production_timelines.jpeg

3D Production Pipeline by Andy Beane. Bildquelle: http://www.upcomingvfxmovies.com/wp-content/uploads/2014/03/3d_production_timelines.jpeg

Wie ausdifferenziert die Organisationsstrukturen innerhalb einer Pipeline sind, hängt zunächst vom Umfang und von der Budgetierung des Filmprojekts ab. Dies stellt im Gegenzug ganz unterschiedliche Anforderungen an die Artists. Sind in kleineren Produktionen oft GeneralistInnen gefragt, die mehrere Bearbeitungsstufen verantworten und somit weitreichendere Workflows entwickeln müssen, sieht dies in der Herstellung von abendfüllenden Spielfilmen oder Fernsehserien völlig anders aus. Die Produktions-Pipelines werden hier in viel kleinere Teilschritte zerlegt und verlangen von den Artists eindeutige Spezialisierungen.

Gerade auf dem Level der Blockbuster zeigt sich ein wesentlicher Unterschied vom reinen Animationsfilm zu VFX-Produktion. Werden erstere meistens von einem einzigen Studio, wie beispielsweise „Pixar“ oder „Dreamworks“ in Gänze durchproduziert, so sind im VFX-Bereich oftmals mehrere Postproduktionshäuser beteiligt, um hier die Arbeit shotweise zu parallelisieren. Sehr häufig unterhalten diese Firmen auch Standorte auf unterschiedlichen Kontinenten um eine Produktion rund um die Uhr gewährleisten zu können.

Innerhalb solcher Produktionsstrukturen spielt Datenorganisation eine gewichtige Rolle, muss doch mit den unterschiedlichsten Datentypen und proprietären Formaten umgegangen werden, die innerhalb von komplexen Dateisystemen, durch die strenge Einhaltung von Namenskonventionen und eindeutigen Versionierungen und Referenzierungen reibungslose Übergaben ermöglichen sollen. Aus diesem Grund werden gerade diese Schnittstellen einer Pipeline durch entsprechende Sicherheitsmechanismen überwacht und die Übergabeprozesse automatisiert, um so ungewollte Eingriffe durch Artists zu verhindern. Die wohl rigideste Vorgehensweise sieht sogar die Konfiguration der Arbeitsumgebung innerhalb der verwendeten Software vor, sodass diese nur für die jeweiligen Arbeitsschritte genutzt werden können. Diese meist scriptbasierten Programme sind Teil eines größeren pipelining-Systems in dem alle produktionsrelevanten Daten verwaltet werden.

Dieses System dient darüber hinaus der Veröffentlichung und dem Review von Zwischenergebnissen und ist somit ein wichtiges Instrument für die künstlerisch, kreativen Entscheidungsprozesse bis hin zu Abnahmen durch Regie, Produktion, oder Kunden. Gerade hier sollte eine Pipeline sehr flexibel aufgebaut sein, da die richtigen Wiedereinstiegspunkte für Iterationsschleifen gefunden werden müssen.

Ursprünglich wurde solche Softwarelösungen inhouse von den Studios selbst entwickelt und auf deren Gegebenheiten angepasst. Zwischenzeitlich gibt es auch verschiedene webbasierte Applikationen von Drittanbietern wie ftrack und Autodesk shotgun.

Dass Pipelines immer wieder Veränderungen und Weiterentwicklungen unterworfen sind, steht wohl außer Frage, denn vor allem technische Neuerungen führen zur Umstrukturierung von Produktionsabläufen. Dies zeigt sich auch bei einem genaueren Blick auf die Programme der alljährlich stattfindenden nationalen wie internationalen Konferenzen der Animations- und VFX-Branche, wie dem animago, der FMX oder der SIGGRAPH. Hier widmen sich teilweise ganze Thementracks dem pipelining.

Prof. Frank Ringwald, MD.H

Prof. Frank Ringwald, MD.H

Fazit:

Der Aufbau einer geeigneten Pipeline ist ein wesentlicher Teil der Projektplanung bei Animations- und VFX-Produktionen und lässt sich mit geeigneten Systemen auch schon im Hochschulbereich realisieren. Im Idealfall findet sich innerhalb einer Projektgruppe ein Teammitglied, das dies in seinen Aufgabenbereich integriert und entsprechendes Managementwissen mitbringt. Dies spräche auch für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Von Prof. Frank Ringwald, Fachbereich „Digital Film Design

Referenzen:

Jeffery A. Okun , Susan Zwerman (Herausgeber) , The VES Handbook of Visual Effects: Industry Standard VFX Practices and Procedures, Focal Press, 2nd edition. 2014
Renee Dunlop (Herausgeber), Production Pipeline Fundamentals for Film and Game, Routledge Chapman Hall, 2014
Charles L. Finance, Susan Zwerman, The Visual Effects Producer: Understanding the Art and Business of Vfx. Focal Press 2009

Websites und Videos zum Thema:

http://www.andrew-whitehurst.net/pipeline.html
https://www.youtube.com/watch?v=I9ql13bEzmc
https://www.youtube.com/user/vfxpipeline

Pipelining- Software:

https://shotgunsoftware.com/
https://www.ftrack.com/