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Studienreise nach Israel

Mit einem lauten und beschwingten „Shalom!“ meldete sich Nathalie, die Rezeptionistin des Abraham-Hostels in Jerusalem am Telefon, als ich an einem verregneten November-Abend von Berlin aus diverse Angebote für die Unterbringung unserer 43-köpfigen Reisegruppe einholen wollte. Das Abraham-Hostel befindet sich im westlichen, heisst jüdischen Teil von Jerusalem, das Al-Arab-Hostel – mit diesem unvergleichlichen Blick über die Dächer der gesamten Altstadt – von dem ich ein alternatives Angebot einholte liegt in Ostjerusalem, im arabischen, von Israel kontrollierten Teil der Stadt. Dort begrüsste mich Ahmad mit einem langgezogenen „Salaaaam!“. Dieselbe telefonische Vorwahl, dieselbe Bedeutung der Begrüßung (Shalom und Salaam bedeuten „Friede“), ein und dieselbe Stadt, aber Jerusalem scheint mit seiner neu errichteten Mauer, drei Weltreligionen und deren Heiligtümern mehr denn je als gespaltene Stadt.

Go in Peace

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Fakten

Studienreise nach Israel im Rahmen des Workshops Fotografie
Mitreisende: gesamt: 41 Studierende (22 Berliner, 10 Münchner und 9 Düsseldorfer). Prof. Carola Anna Elias und ich.
Zeitraum: 1. – 7. März
Besuchte Orte: Tel Aviv – Jaffa, Jerusalem, Jericho, Totes Meer

Die gesamte Reisegruppe im En Gedi Nationalpark - Foto: Idan Pink

Die gesamte Reisegruppe im En Gedi Nationalpark – Foto: Idan Pink

Jeder von uns hatte sich im Vorfeld zum Nahost-Konflikt informiert. Wir wussten um das Verworrene der Situation in Nahost, hatten mit zunehmender Besorgnis die sich zuspitzende Krise mit dem Iran zur Kenntnis genommen, wussten über Intifada, Hamas und Fatah Bescheid und ein jeder konnte den Namen des amtierenden Premierministers Netanjahu nennen. Im Hinterkopf hatten wir dazu die Islam-Debatte in den deutschen Medien sowie der obligatorische Oberstufenunterricht zum Holocaust parat. Es war eine Herausforderung für jeden einzelnen von uns, diese Informationen für sich zu verarbeiten und auf künstlerischer bzw. fotografischer Ebene zu reflektieren.

Durch die Linse einer Kamera sieht man die Welt mit anderen Augen. Man muss neu sehen lernen, und sich auf eine Situation voll und ganz einlassen. Geduld ist eine Grundvoraussetzung für ein gelungenes Foto, denn oft muss man lange warten, bis der richtige Moment gekommen scheint. Ein Foto hat ein Eigenleben, denn es ist weit mehr als nur ein Abbild der Wirklichkeit: es kommuniziert über mehrere Wahrnehmungsebenen, denn der Fotografen stellt darin seinen eigenen Blick auf die Situation dar und gleichzeitig wird es durch den Betrachter selbständig interpretiert. Es ist diese Mehrdeutigkeit, die ein gelungenes Bild auszeichnet.

Fakten zum Staat Israel (Quelle: Wikipedia)

Fakten zum Staat Israel (Quelle: Wikipedia)

1. Die Kälte-Katastrophe

2. März 2012 - Foto: Jüdische Allgemeine Zeitung

2. März 2012 – Foto: Jüdische Allgemeine Zeitung

Nach dem langen und harten Winter in Deutschland waren wir ausgehungert nach Sonne und Frühling. Schon Wochen vorher tauschten wir uns begeistert per Facebook über das großartige Frühlingswetter in Tel Aviv aus. In Gedanken sahen wir uns alle bereits im T-Shirt in einer der zahlreichen legendären Strandbars TelAvivs entspannen.

Als wir am 01. März um 13.30 in Tel Aviv landeten hatte es 8 Grad und der Sturm peitschte eine dichte Regenfront vor sich her. Mein Handy erreichte die SMS des Busunternehmens, dass dieses uns bedauerlicher Weise nicht wie vereinbart abholen konnte, weil die Paßstraße von Jerusalem verschneit war und deshalb sämtliche Infrastruktur zusammen gebrochen ist.

Unsere Jugendherberge in Tel Aviv hatte neben Terrazoboden und wunderbar zentraler Lage ein ernsthaftes Problem: es gab keine Heizung und in den meisten Zimmern fehlten Fensterscheiben. Nachts rüttelte der Sturm massiv an meiner Zimmertüre, die zugleich auch Aussentüre war. Durch den hohen Türspalt bildete der Regen Wasserlachen auf meinem Zimmerboden. Zum Schlafengehen zog ich mich erstmal an: Strumpfhosen, Wollsocken, Jogginghose, Schipullover, Trainingsjacke, dann wickelte ich mir den Schal um Gesicht und Hals und zog die Mütze darüber. Zusätzlich halfen mir die zwei dünnen Decken des Hostels und mein Mantel um bei einer Raumtemperatur von 7 Grad nicht zu frieren. Ich beschoss einfach, das als Teil eines überaus romantischen Abenteuers zu betrachten. Trotzdem hatten meine Kollegin Carola Elias und ich noch einige Mühe, das als Argument auch einigen Studenten zu vermitteln, deren Laune zu kippen drohte, nachdem das Warmwasser bereits um neun Uhr morgens von frühaufstehenden Kommilitonen verbraucht war.

Shabat in Tel Aviv - Foto: Joscha Härig

Shabat in Tel Aviv – Foto: Joscha Härig

Shabat in Tel Aviv - Foto: Joscha Härig

Shabat in Tel Aviv – Foto: Joscha Härig

Wir waren pünktlich zum jüdischen Wochenende eingeflogen. Während einer Stadttour durch Tel Aviv vorbei an der Bauhaus-Architektur des Roosevelet-Boulevard über das alte Viertel und den lokalen Markt konnten wir überall die Vorbereitungen zum Sabbat, dem Ruhetag und siebten Wochentag im Judentum beobachten. Dieser dauert vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am darauf folgenden Samstag.

2. Jerusalem

Ein Junge feiert seine Bar Mitzwa (den Eintritt in die religiöse Mündigkeit, vergleichbar mit der Konfirmation bzw. Firmung im Christentum)

Ein Junge feiert seine Bar Mitzwa (den Eintritt in die religiöse Mündigkeit, vergleichbar mit der Konfirmation bzw. Firmung im Christentum) – Foto: Joscha Härig

Blick auf die Klagemauer von Jerusalem. Im Hintergrund der Felsendom (goldene Kuppel) und der Ölberg

Blick auf die Klagemauer von Jerusalem. Im Hintergrund der Felsendom (goldene Kuppel) und der Ölberg – Foto: domenica

(v. links) Max Menschel, Ilhab Diri, Robert Leuteritz und Joe Kaczmarek

(v. links) Max Menschel, Ilhab Diri, Robert Leuteritz und Joe Kaczmarek – Foto: Julia Schnitzer

Felsendom - Foto: Anja Daschner

Felsendom – Foto: Anja Daschner

Einer von hunderten Läden in der Altstadt Jerusalems - Foto: domenica

Einer von hunderten Läden in der Altstadt Jerusalems – Foto: domenica

Grabeskirche - Foto: Julia Schnitzer

Grabeskirche – Foto: Julia Schnitzer

Die Altstadt von Jerusalem ist in ein christliches, armenisches, arabisches und ein jüdisches Viertel geteilt. Auf engstem Raum befinden sich die großen Heiligtümer der Christen, Muslime und Juden. Wir besuchten auf unserer Tour unter anderem die Klagemauer, den Felsendom und die Grabeskirche. Zu Mittag gab es Falafel und Hummus auf dem arabischen Markt, wo sich einige von uns auch Palästinesertücher und Hosen mit türkischem Schnitt kauften. Christlichen Devotionalien gab es nur ein paar Ecken und Marktstände weiter.

Der Der Felsendom ist das bekannteste Wahrzeichen Jerusalems und eines der Hauptheiligtümer des Islam. Er befindet sich auf dem Tempelberg im südöstlichen Teil der Altstadt von Jerusalem. Der Felsendom ist der älteste islamische Sakralbau und stellt ein Meisterwerk der islamischen Baukunst dar.

Die Klagemauer ist auch für Nicht-Juden zugänglich. Voraussetzung ist das Einhalten der Traditionen, u.a. der Mauer nicht den Rücken zu Kehren wie das Tragen der Kippa, der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung. Bei Eintritt können auch Nicht-Juden Einweg-Kippas erhalten.

Als dritte Sehenswürdigkeit und für viele die Hauptattraktion unserer Reise war der Besuch der Besuch der Grabeskirche, die zu den größten Heiligtümern des Christentums zählt. Der Überlieferung nach befindet sie sich an der Stelle der Kreuzigung und es Grabes Jesu Christi. Um die Grabesstätte wurde ein Schrein errichtet, den man nach langer und ehrfürchtiger Wartezeit in gebückter Stellung betreten konnte.

Die Kirche ist der Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem und des katholischen Erzpriesters der Basilika des heiligen Grabes. Auch viele weitere christliche Glaubensrichtungen haben in der weitverzweigten, zum großen Teil auch unterirdischen Anlage eigene Kapellen errichtet. Da die einzelnen Glaubensrichtungen unterschiedliche Zeremonien zu den christlichen Festtagen praktizieren, kommen sie sich häufig ins Gehege. Es kursieren wilde Geschichten über die immer wieder mal eskalierenden Streitigkeiten mit handfestem Ausgang, die bei unserer Reisegruppe eine Mischung aus Erstaunen und Amüsement verursachten.

3. Die Wüste – das Tote Meer

Einer unserer Ausflüge führte uns in den En Gedi Nationalpark und ans Tote Meer, das mit einer Lage mit 422 m unter dem Meeresspielgel den tiefsten Ort der Erde darstellt. Das Tote Meer grenzt im Nordwesten an palästinensisches Territorium und im Osten an Jordanien. Das Meer wird vom Fluß Jordan gespeist, hat jedoch keinen natürlichen Ausgang. Das Wasser verdunstet einfach. Da Israel sehr viel Wasser aus dem Jordan abschöpft, fließt weniger und weniger davon ins Tote Meer worduch dieses jährlich um mehr als einen Meter schrumpft und eine ökologische Katalstrophe verursacht.

Endlich hatten wir Glück mit dem Wetter, denn das Thermomenter zeigte sommerliche 24 Grad an. Auf halber Strecke bat ich unseren Busfahrer, bei einer Raststation zu halten um eine übergroße Tube Sonnencreme für uns alle kaufen zu können. Mit jedem Meter, den wir tiefer ins Jordantal hinabfuhren und jedem Grad mehr stieg unsere Sommerlaune ins Unermessliche.

Nach einem Besuch des EnGedi Nationalparks und einem ersten Bad im eiskalten David-Wasserfall fuhren wir weiter in ein Strandbad am Toten Meer. Dem Schlamm, der dort die Ufer und den Meeresboden bildet, werden viele heilende Kräfte nachgesagt. Aufgrund des hohen Salzgehalts des Wassers ist der Auftrieb so stark, dass man auf der Wasseroberfläche schweben kann.

Teil der Reisegruppe im Toten Meer - Foto: Julia Schnitzer
Teil der Reisegruppe im Toten Meer – Foto: Julia Schnitzer

4. Westbank und Jericho

Wie sieht es eigentlich in Palästina aus? Stimmt unser Bild, das uns die westliche Berichterstattung in den Medien überliefert? Um in die Westbank zu kommen, braucht man einen palästinensischen Busfahrer, da Israelis der Eintritt auf palästinensisches Gebiet verboten ist. Wir hatten alle unsre Reisepässe dabei, da die Grenzkontrollen ernst zu nehmen sind. Wälle von Natodraht ziehen sich durch die Wütste, um das Territorium zwischen Israel und den autonomen Gebieten zu trennen. Bewohnern der Westbank ist das Betreten von israelischem Territorium verboten. Der einzige Ausgang ist deshalb zur Zeit der Grenzübergang nach Jordanien. Als Touristengruppe konnten wir ohne Probleme passieren und wurden von den palästinensischen Grenzsoldaten mit großer Neugierde bestaunt. Der vorgesehene Stadtspaziergang durch Jericho konnte leider nicht stattfinden, da Touristen nur das Betreten einer kleinen, geschützten Zone erlaubt ist. Viele von uns nahmen die Seilbahn zum Bergkloster, um von dort aus eine grandiose Sicht über die Wüste, Palästina und Jericho zu genießen.

Blick über Jericho - Foto Julia Schnitzer

Blick über Jericho – Foto Julia Schnitzer

Fakten zum Palästinensischen Autonomiegebiet (Quelle: Wikipedia)

Fakten zum Palästinensischen Autonomiegebiet (Quelle: Wikipedia)

Autonomiegebiete (rot) (Quelle: Wikipedia)

Autonomiegebiete (rot) (Quelle: Wikipedia)

Der Fotowettbewerb

Nach unserer Rückkehr eröffnete Ilhab Diri auf flickr.com ein öffentliches Portal, auf das wir unsere schönsten Reisebilder hochladen konnten und die Mediadesign Hochschule richtete einen Wettbewerb aus, bei dem das Publikum ihre Favoriten bestimmen konnte.

Den ersten Platz gewann MAX MENSCHEL

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Den 2. Platz JOSCHA HÄRIG

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und den 3. Platz DARIA KRIPSKOVA

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Wer alle Bilder einsehen möchte findet diese unter folgendem Link:

http://www.flickr.com/groups/1950708@N23/pool/