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Über Farbabweichungen im Druck

Der Moment, wo ein Designer seine Aufträge aus der Druckerei abholt, ist immer ein aufregender. Was tun, wenn das fertige Ergebnis nicht den eigenen Erwartungen oder denen des Kunden entspricht? Und: wer haftet eigentlich für ein unzufriedenstellendes Ergebnis?

Julia Schnitzer, Mediadesign Hochschule (MD.H) Berlin

Julia Schnitzer, Mediadesign Hochschule (MD.H) Berlin

Unter Farbabweichung versteht man die Abweichung zwischen Ziel- und Quellfarbe. Sie wird als Delta-E-Wert angegeben. Je nach Grad wird zwischen „nicht wahrnehmbarer“ und „großer“ Abweichung entschieden. Proofs und Farbmanagement helfen, das Risiko von Farbabweichungen im Druck möglichst gering zu halten. [1]

Wie können Farbabweichungen entstehen?

Reklamationen in der Druckbranche drehen sich häufig um die Frage, ob eine Farbe erwartungsgemäß dargestellt wird. Wenn Farben am Bildschirm anders aussehen als später im gedruckten Ergebnis, spricht man von Farbabweichungen. Diese können vielfältige Ursachen haben:

CMYK- und RGB-Modus

Farben sehen im Druck meistens anders aus als am Bildschirm, da dieser Farben im RGB-Modus, also im additiven Farbsystem darstellt. Im additiven Farbsystem ergibt die Summe aller Farben Weiß, ähnlich wie Sonnenlicht, was strahlende, leuchtende Farben möglich macht. Die Druckbranche arbeitet mit dem CMYK-Modus, dem subtraktiven Farbsystem.

Aber auch wenn Bilder in RGB Farbe mittels Laser- oder Tintenstrahldrucker gedruckt werden, ist das Ergebnis auf Papier matter. Das ist dadurch bedingt, dass der CMYK-Modus ein wesentlich kleineres Farbspektrum besitzt (ca 1 Million) als der RGB-Modus (16,7 Millionen Farben). Auch sind die Farben auf dem Bildschirm “körperlos”. Im Druck sind die Farbpigmente meist mit Lösungsmitteln, einer Emulsion oder Ölen angereichert, um einen Farbauftrag auf Papier technisch möglich zu machen.

Sichtbarer Unterschied zwischen CMYK und RGB.

Sichtbarer Unterschied zwischen CMYK und RGB.

Vollton- und Prozessfarben

Eine bestimmte Farbe kann auf zwei unterschiedliche Arten gedruckt werden: als Vollton- oder als Prozessfarbe (CMYK). Bei einer Volltonfarbe wird pro Farbe eine Druckplatte hergestellt. Der Druckvorgang wird exakt in der in der Druckdatei angegebenen Farbnummer, z.B. Pantone 345 gedruckt. Bei einer Prozessfarbe wird die jeweilige Farbe durch Mischung von Grundfarben hergestellt. Z.B. wird die Farbe Rot mit zwei Druckvorgängen gedruckt: 1x mit Magenta und 1x mit Yellow. Das Überdrucken durch die zwei Farben ergibt auf dem Papier durch die Mischung das gewünschte Rot.

Nicht alle Volltonfarben können auch als Prozessfarben gedruckt werden. Meist ist das Druckverfahren mit Prozessfarben (CMYK) kostengünstiger als das Drucken mit Volltonfarben. Die Volltonfarben haben jedoch mehr Brillanz, sehen also im Druckergebnis schöner aus. Darüber hinaus enthält die Palette der Anbieter auch Sonderfarben wie z.B. Neongelb, Gold- und Silbertöne. Die in Deutschland bekanntesten Anbieter für Druckfarbe sind HKS und Pantone.

Umstellung von Prozessfaben (CMYK) auf Volltonfarben (Pantone)

Umstellung von Prozessfaben (CMYK) auf Volltonfarben (Pantone)

Farbtonwarnung in Photoshop.

Farbtonwarnung in Photoshop.

Opazität

Eine Farbabweichung kann auch dadurch entstehen, dass man im Gestaltungsprozess übersieht, dass die meisten Volltonfarben nicht deckend, sondern lasierend drucken. Ob eine Farbe im Druck deckt oder nicht bezeichnet man mit dem Wert der Opazität: 100% Opak ist eine Farbe, die voll abdeckt. Gelbtöne sind z.B. lasierend. Wenn man also eine gelbe Fläche über eine blaue Fläche druckt, ist das Gelb an der überlagernden Stelle kaum sichtbar. Das Ergebnis ist also kein grün, sondern ein dunkleres Blau! Den Wert der Opazität kann man beim Hersteller erfragen, im Farbfächer ablesen oder in Adobe Photoshop im Farbfenster ablesen (Feld: „Stärke“, siehe Abb.). Photoshop simuliert dann bereits eine hilfreiche Druckvorschau, indem es die Farben je nach Opaziät bereits lasierend oder nicht darstellt.

Lasierende Volltonfarbe.

Lasierende Volltonfarbe

Papiersorten

Auch welche Papiersorte beim Druck verwendet wird – beispielsweise Bilderdruckpapier versus Naturpapier – hat Einfluss darauf, wie die Farbe auf dem fertigen Druckprodukt aussieht. Die Farbe, die für den Druck auf unterschiedlichen Materialien verwendet wird, ist je nach Druckart dabei immer dieselbe. Jedoch sieht dieselbe Farbe auf den unterschiedlichen Papieren mal matt oder leuchtend aus. Anbei eine kurze Übersicht über die häufigsten Papiersorten und ihre Darstellungsmöglichkeiten bezüglich Farbe:

Zeitungsdruck

Zeitungspapier wird aus minderwertigen Materialien produziert und besitzt einen hohen Holzanteil, es vergilbt schnell. Dieses Papier ist sehr saugfähig, aus diesem Grund wird die Druckfarbe rasch vom Papier aufgesogen und verläuft leicht. Aus diesem Grund kann Zeitungspapier feinen Linien (unter 0.5 pt) nur schlecht darstellen. Die Farbe hat wenig Brillanz.

Gestrichene (coated) Papiere

Diese Papiere zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Füllstoffen, meist aus Kunststoff aus. Diese ermöglichen eine sehr glatte bis glänzende Oberfläche des Papiers, wodurch die Leuchtkraft der Druckfarbe optimal unterstützt wird. Gestrichene Papiere haben jedoch eine lange Trockenzeit, da die Farbe nicht einziehen kann.

Ungestrichene (uncoated) Papiere

Diese Papiere enthalten nur wenige Füllstoffe und haben eine “normale” Oberfläche mit mittlerer Saugkraft. Das klassische Druckerpapier, in der Fachsprache genannt “Maschinschreib” ist der Prototyp der ungestrichenen Papiere. Aufgrund der leicht rauen Oberfläche wird die Druckfarbe leicht eingesogen und diese entfaltet nur eine mittelmässige Brillanz. Ungestrichene Papiere gibt es in unterschiedlichen Weißwerten. Generell lässt sich sagen, dass umso weisser ein Papier ist, umso mehr wurde es gebleicht, umso brillanter ist das Druckergebnis.

Natur- und Recycling-Papiere

Aufgrund ihrer dunkleren Grundfärbung, werden die Druckfarben „vergraut“ dargestellt. Es gibt jedoch auch Recycling-Papiere, die stark gebleicht wurden und somit einen fast weißen Grundton haben. Hier wird Farbe besser dargestellt. Generell gilt, dass bei Recycling-Papieren die Papierqualität minderwertig ist, da die Papierfasern bereits ein zweites Mal aufgeweicht wurden. Dabei brechen diese häufig und machen das Papier weniger reißfest.

Sichtbarer Unterschied zwischen Volltonfarben coated und uncoated

Sichtbarer Unterschied zwischen Volltonfarben coated und uncoated

Klassifizierung von Farbabweichungen

Farbabweichungen sind nicht rein subjektiv, sondern können eindeutig festgestellt werden. Dazu wird der Delta-E-Wert ermittelt, der den Abstand zwischen zwei Farborten eindeutig wiedergibt. Dieser Wert dient als Grundlage dafür, den Grad der Farbabweichung zu beschreiben: Werte bis 1,0 nimmt das menschliche Auge in der Regel nicht als Abweichung wahr – nur ein Fachmann ist in der Lage, Unterschiede zu erkennen. Laien erkennen Farbabweichungen ab einem Wert von etwa 2,5. Ein starker Farbunterschied ist bei einem Wert von 5,0 vorhanden. Ab 10,0 ist der Druck dagegen misslungen. In der Praxis kommen solche Farbabweichungen jedoch nur noch äußerst selten vor. [1]

Abhilfe durch Farbmanagement

Das Prinzip scheint simpel: Wenn alle Ein- und Ausgabegeräte Farben gleich darstellen, kann es auch nicht zu Farbabweichungen kommen. Wer Farbmanagement einsetzen möchte, muss daher zunächst alle Geräte – vom Monitor über den Scanner und die Digitalkamera, bis hin zu den Drucksystemen kalibrieren, also nach einem festgelegten Standard normieren . In diesem Rahmen müssen Farbräume umgerechnet werden, da ein Bildschirm beispielsweise mit RGB arbeitet, während eine Druckmaschine den CMYK-Farbraum nutzt. Bei der Umrechnung kommen Rendering Intents zum Einsatz. Sie legen das Verfahren fest, nachdem ein Farbraum umgerechnet werden soll. Nur die Verwendung von geeigneten Rendering Intents stellt auch eine möglichst geringe Farbabweichung sicher.

Abhilfe durch Proofs

Es gibt jedoch neben dem Farbmanagement noch ein weiteres Instrument, das dabei hilft, schwerwiegende Farbabweichungen zu vermeiden: die Anfertigung eines Proofs. Proofs nutzen die Original-Druckdaten, um den Auflagendruck zu simulieren. Im Digitaldruckbereich heißt der Proof „Andruck“ und wird auf Originalpapier sowie auf der Originalmaschine gefertigt. Der Andruck bietet also die Möglichkeit, eventuell vorhandene Mängel in der Farbdarstellung rechtzeitig zu bemerken und zu korrigieren. Im Offsetdruckbereich kann ein Farbprüfdruck bestellt werden, der – anders als der Name vermuten lässt – nicht farbverbindlich ist. Er wird auf einer Digitaldruckmaschine und auflagentypischem Papier gedruckt, bietet also eine farbnahe Simulation. Wer die bestmögliche Qualität von Offsetdrucksimulationen wünscht, wählt einen Normproof. Dieser wird nach den Vorgaben des Medienstandards Druck angefertigt, auf jedem einzelnen Proof wird der Medienkeil ausgemessen, damit sichergestellt ist, dass sie innerhalb der erlaubten Toleranzen liegen. [2]

Proofs kosten extra, sind also nicht standarmäßig im Angebot der Druckerei enthalten. Je nach Format und Farbe (CMYK, Vollton oder Sonderfarbe) variieren dabei die Kosten.

Wer haftet bei Farbabweichungen?

Bei Farabweichungen haftet der, der den Fehler im Druckmanagement begangen hat. Hier sind im folgenden einige praktische Tipps genannt, um Fehler im Vorfeld auszuschließen:

  • Den Kunden niemals seine Farbe für einen Druckauftrag auf dem Bildschirm wählen lassen. Zeigen Sie ihm einen Pantone- HKS- oder RAL-Fächer und lassen Sie ihn die Farbe anhand der Darstellung im Fächer auswählen. Da die Fächer direkt vom Farbhersteller produziert werden, sind diese Darstellungen der Farbe verbindlich. Weisen Sie den Kunden dabei auf eine mögliche abweichende Darstellung am Bildschirm hin.
  • Prüfen Sie die Druckdatei (meist ein pdf-Format) mittels der Software Acrobat Professional auf mögliche Fehler im Farbmanagement. Klassische Fehler sind z.B., versehentlich eine Prozessfarbe als Volltonfarbe angegeben zu haben, oder eine Pantone-Farbe mittels CMYK ausgegeben lassen zu haben. Wählen Sie hierzu folgendes Menü in Adobe Acrobat: Erweitert >> Druckproduktion >> Ausgabenvorschau
  • Nehmen Sie zur Abholung der Aufträge Ihren Farbfächer und eventuelle Proofs mit. Haben Sie erstmal den Abholschein unterschrieben, können keine Fehler mehr bei der Druckerei geltend gemacht werden.
 Literatur:

[1] vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Delta_E#Farbabstand_Delta_E
[2] Laserline Newsletter: Tipps zu Druck & Technik Ausgabe 06/2012 vom 11.02.2010