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Wie positionieren sich junge Designer? Gedanken anlässlich der Graduierungsfeier im September 2013.

Wie positionieren sich junge Designer? Gedanken anlässlich der Graduierungsfeier im September 2013.

Am 20. September 2013 wurden am Standort Berlin der Mediadesign Hochschule 11 Modedesign-Absolventen ins Berufsleben entlassen. Alle Abschlussarbeiten waren extrem unterschiedlich, – nicht umsonst lautete der Titel zur Show „DIVERSITY“ – und trotzdem war jede Kollektion modisch relevant. Denn, es gibt, wie der folgende Aufsatz erläutert, die Mode nicht mehr.

Wie positionieren sich junge Designer? Gedanken anlässlich der Graduierungsfeier im September 2013.

Wie positionieren sich junge Designer? Gedanken anlässlich der Graduierungsfeier im September 2013.

„Und jetzt? Weitermachen nach der Mode.“ So lautet der Titel eines Essays, das Mahret Kupka anlässlich der Ausstellung „Draußen im Dunkel“ des Museums Angewandter Kunst in Frankfurt am Main publiziert hat.

Der Aufsatz bezieht sich auf die Feststellung, dass sich die zeitgenössischen Modedesigner in der paradoxen Situation befinden „eine Mode nach der Mode“ zu schöpfen. Ganz im Sinne der französischen Losung „le roi est mort, vive le roi“, oder eben übersetzt „die Mode ist tot, es lebe die Mode“.

Denn in den 1990er Jahren haben avantgardistische Designer wie Rei Kawakubo, Yohji Yamamoto oder Martin Margiela die gesamte Modewelt mit ihren Entwürfen dermaßen auf den Kopf gestellt, dass es DIE Mode, plötzlich nicht mehr gab. Mit ihren völlig neuen, radikalen Positionen haben sie zum Beispiel die klare Grenze zwischen männlicher und weiblicher Bekleidung aufgebrochen. Hässlichkeit wurde auf einmal chic, Stichwort Grunge oder Heroin-Chic, Nähte wurden nach Außen gekehrt, Schnittpartien dekonstruiert oder Stoffe mutwillig zerstört. Diese Entwicklung, oder viel eher dieser Mode-Schocker, veranlasste einige wichtige Modetheoretikerinnen wie Barbara Vinken vom Ende der Mode, oder eben von einer Mode nach der Mode zu sprechen.

Wie sieht diese Mode nach der Mode aus und nach welchen Kriterien misst man heutzutage den Modegrad einer Kollektion oder eines Kleidungsstückes? Tatsächlich ist die Beantwortung dieser Frage nicht einfach. Denn neue, radikale Modepositionen oder Innovationen sind in der heutigen Zeit lediglich eine Möglichkeit neben vielen anderen. Das Spektrum in der Mode ist heute ungewöhnlich groß und vielfältig. Das Modekarussel dreht sich, trotz oder parallel zu der Forderung vieler Designer nach Nachhaltigkeit und Slow Fashion, immer schneller. Es ist nicht selten, dass große Modekonzerne oder Designermarken jährlich 8 und mehr Kollektionen auf den Markt bringen.

Das führt natürlich zu einem Überfluss und sicherlich an manchen Stellen auch zu einem gewissen Überdruss in der Mode. Viel Wertvolles, aber auch weniger Wertvolles wurde bereits gesagt und entworfen und umgesetzt. Trotzdem gibt es immer wieder Designer und Kollektionen, die Neues hervorbringen. Die uns berühren, zum Nachdenken verleiten oder einfach glücklich machen. Was ist das Geheimnis dieser Kollektionen oder allgemeiner formuliert dieser Arbeiten? Es sind Arbeiten von Designern, denen es gelingt ihren ganzen Wesenskern in ihr Produkt zu legen und ihr Produkt dadurch zum Leuchten bringen!

Das Studium, in unserem Fall das Modedesign Studium ist, wenn man es ernst nimmt, eine wunderbare Gelegenheit seinem eigenen Wesenskern auf den Grund zu kommen. Wenn man es geschafft hat, zum Ende des Studiums, neben dem Erlernen des Handwerks und dem Erlangen der Fachkompetenz, diesem Kern in Form seiner Abschlusskollektion Gestalt zu verleihen, hat man wirklich gewonnen.

In diesem Sinne hatten wir im September das Vergnügen 11 Gewinnerinnen und Gewinnern, ihr Zeugnis zu verleihen. Denn jede und jeder einzelne von Ihnen hat neben dem Abschluss auch diesen Kern gewonnen und in seiner Kollektion überzeugend umgesetzt.

Dabei sind, was für die Zeit einer Mode nach der Mode nicht verwundert, sehr unterschiedliche Kollektionen mit teilweise konträren Modepositionen entstanden. Die Themen reichten grob gefasst von einer radikaler Nachhaltigkeit, die auf ein eigentliches klassisches Design verzichtet, über ungewöhnliche Materialinnovationen, das Schwelgen in traditionellen russischen Trachtenformen bis hin zur Entwicklung einer Kollektion für Frauen, die in männlichen Körpern geboren wurden.

Was die Arbeiten gemeinsam haben ist, dass die Arbeiten, neben der fachgerechten Umsetzung, auch zu einem hohen Maß den Kern ihrer Schöpfer widerspiegeln. Das ist etwas elementar Wertvolles, auf das unsere Absolventinnen und Absolventen in den kommenden Jahren zuversichtlich weiter aufbauen können. Von daher sollte es nicht heißen: „Nach dem Studium fängt es erst richtig an“, sondern: Und jetzt? Weitermachen in der Mode!

Link Video Graduate Show:
http://www.youtube.com/watch?v=FVoVbNTzHbk

Wie positionieren sich junge Designer? Gedanken anlässlich der Graduierungsfeier im September 2013.
Link zum Download:

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