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3 Fragen an…” Martin Adam

Der Semesterstart wurde gerade erst erfolgreich bewältigt. Martin Adam, Geschäftsführer und Direktor für Internationales bei der Mediadesign Hochschule für Design und Informatik, hat sich dennoch Zeit genommen, um unsere Fragen zu beantworten. Er gibt uns einen Einblick in die Neuausrichtung der Hochschule in diesem Jahr und schildert, wie er Studierende künftig auf die Verbindung von Design und Technologie vorbereiten will. Das Interview von Alexander Fuchs erschien zuerst auf www.medianet-bb.de.

 

Martin Adam, Geschäftsführer und Direktor für Internationales bei der Mediadesign Hochschule für Design und Informatik

 

Herr Adam, die Mediadesign Hochschule existiert bereits seit mehr als 30 Jahren. Im Vorgespräch deuteten Sie an, dass sich die Hochschule in diesem Jahr neu erfinden und positionieren wird. Welche Schwerpunkte sollen gesetzt, was verändert werden?

Schon in unseren frühen Jahren als Akademie haben wir stets darauf gesetzt, dass der Aufbau und die Anwendung von Technologie im Einklang steht mit einem ausgewogenen Design. Und das immer vor dem Hintergrund, dass unsere Studierenden bestmöglich auf die sich rasant entwickelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet werden. Der Erfolg hat uns Recht gegeben und wir blicken sehr zuversichtlich in die kommenden Jahre.

Wir werden auf der einen Seite die feine kleine Hochschule mit dem persönlichen Touch bleiben, die sich zum Ziel gesetzt hat, fundiert und an den Bedürfnissen der Kreativindustrie auszubilden. Auf der anderen Seite expandieren wir in Richtung englischsprachiger Studiengänge und werden noch sehr viel europäischer, ja internationaler werden.

Unsere Absolvent*innen sind ja mittlerweile in vielen Berliner Agenturen und Medienunternehmen tätig, arbeiten an der Postproduction namhafter Filme und Serien, sind fester Bestandteil der etablierten und neuen Spieleentwickler. Und wir freuen uns besonders, dass so viele unserer Alumni nun als Arbeitgeber unsere Studierenden rekrutieren.

Wir haben früh begonnen, Unterstützungssysteme aufzubauen wie ein sehr persönliches und fundiertes Karrierecoaching und das integrierte Praxissemester. Dies, und nicht zuletzt der intensive Austausch mit den Unternehmen, werden auch weiterhin Schwerpunkte unserer Arbeit sein. Darüber hinaus bauen wir ein passgenaues Experten-Mentoring aus, um unseren Studierenden noch mehr direkte Einblicke aus erster Hand in die Branche zu geben.

Die Umsetzung macht den Unterschied. Wir alle suchen in diesen Zeiten Orientierung und wir als agile Hochschule verstehen uns als eine Art Leitfigur, wenn es darum geht, junge Talente mit der Kompetenz auszustatten, sich zu wissbegierig und mit Freude fachlich zu entwickeln und sich gleichzeitig in einer immer mehr technologisierten Welt zu orientieren.

Ein Beispiel: die Gamesbranche und die Postproduction finden mittlerweile immer mehr zusammen und staunen über die Expertise der jeweils anderen. Wir haben das bereits vor Jahren postuliert und freuen uns, wenn sich mehr und mehr Disziplinen miteinander verzahnen. Das werden wir weiter ausbauen.

Sie bezeichnen Berlin nicht nur als Hauptstadt von Deutschland, sondern als Hauptstadt der Kreativen. Es gab ja vor einigen Jahren einen spürbaren Entwicklungsschub. Mit Gamedesign, Digital Film Design, Mediadesign, Mode und Managementprogrammen bildet Ihre Hochschule schon jetzt einen großen Teil dessen ab, was in der Kreativbranche nachgefragt wird. Wie schätzen Sie die Kreativszene aktuell und künftig ein – auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie?

Natürlich ist es schwierig, von DER Kreativszene zu sprechen, da die verschiedenen Zweige ja recht unterschiedlich von der Pandemie betroffen waren und immer noch sind. Wo die Unternehmen der Gamesbranche relativ gut durch die Situation zu kommen scheinen, hören wir, dass es für Film-Produktion und Postproduction offensichtlich schwieriger ist, entsprechend aktiv ihre Projekte zu verwirklichen. Die Modebranche wiederum muss sich wohl komplett neu aufstellen und findet tatsächlich sehr kreative Lösungsansätze, insbesondere weg vom Fast Fashion hin zu tatsächlich nachhaltigem Denken. Allein, die Darstellung von Mode braucht mehr denn je die anderen Kompetenzen wie Videoproduktion, webbasierte Lösungen im Shopping und für Streamingdienste.

Wir haben gelernt: ohne Technologie geht nichts mehr. Das war Vielen in der Kreativbranche seit mehreren Jahren bewusst und mit der Pandemie hat diese Erkenntnis auch viele andere Branchen erreicht. Man kann vielleicht sagen, es ist Mainstream geworden, im Digitalen zu leben.

Sie wollen in den kommenden Jahren die Studierenden auf die Verbindung von Design und Technologie vorbereiten. Was genau meinen Sie damit? Und welche Themen werden außerdem in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen?

Wir sehen großes Potenzial in der Kombination von Disziplinen. Warum sollten beispielsweise nicht Gamedesigner und Modedesigner miteinander arbeiten und kreative Modelle entwickeln? Wie wichtig es für die Modebranche ist, dass man sich mit der digitalen Darstellung auskennt und entsprechend in den Bereichen Video und Postproduction versiert zu sein, hat sich spätestens mit der Pandemie gezeigt, wo fast alles ins Digitale verlagert werden musste. Unsere Modedesigner von heute können ohnehin schon so viel mehr als Kollektionen zu entwerfen und auf den Laufsteg zu schicken. Das machen die etablierten Luxusmarken wie auch die Indie Labels. Und sehen Sie da, welche kreativen Ergüsse sich daraus ergeben!

Selbstverständlich wollen wir alle zurück ins reale, soziale Leben, aber erstens muss man sich fragen: wollen wir wirklich alles so zurückhaben, wie es vorher war? Oder wäre es nicht klüger, wenn wir gerade jetzt eine Zwischenbilanz ziehen und die positiven Erfahrungen in die nächsten Jahre transportieren? Ich denke da an die Vorteile der schnellen Abstimmung über die verschiedenen Kommunikationskanäle oder das fokussierte Arbeiten im Home-Office – vorausgesetzt, die Betreuung der Kinder ist gewährleistet.

Die Balance zwischen Technologie, die das alltägliche Leben, die Kommunikation und das Arbeitsleben erleichtert, gepaart mit userfreundlichem Design, das intuitiv und anregend ist, plus einem persönlichen Backup sehe ich als zukunftsweisend an.
Und schließlich lernen wir alle permanent dazu, nicht nur Studierende in den frühen Zwanzigern. Relevante Themen wie grafisches Praxiswissen bereiten wir in unseren kürzeren berufsbegleitenden Zertifikats-Lehrgängen mundgerecht auf, sodass man sich auch neben einem Vollzeitjob weiterbilden kann.

Wir müssen verstehen, dass Berlin nicht eine einzige Szene ist, sondern das wir bestimmte „Einheiten“ wie eine Hochschule oder eine Stadt wie Berlin immer als Teil des gesamten deutschen, europäischen und weltweiten Settings oder auch Arbeitsmarktes sehen. Es ist zwar charmant, den regionalen Kosmos zu bewahren, aber die Zeit, ausschließlich in solchen Einheiten zu denken, halte ich für „vorbei“. Mit der passenden Internetverbindung kann ohnehin fast jeder von fast überall auf der Welt einen fantastischen Job machen. Aus diesem Grunde denken wir auch noch weiter und voraus in der Kooperation und Forschung mit unseren gelebten Kooperationen mit dem IMPERIAL COLLEGE OF SCIENCE, TECHNOLOGY AND MEDICINE London, der Universität von Sao Paulo (USP) und der Hunan Normal University in Changsha (VR China).
Das punktuelle soziale Zusammenkommen wird sicherlich an Wichtigkeit zunehmen, und wir werden es umso mehr genießen und möglicherweise noch gezielter die Zeit zusammen nutzen als jemals zuvor.

Berlin hat es immer schon geschafft, die passenden Köpfe zusammen zu bringen und aus herausfordernden Situationen Lösungen zu entwickeln, und das oft mit weniger finanziellen Mitteln als in anderen Städten. So bin ich sehr zuversichtlich, dass wir das auch in dieser Pandemie-Situation schaffen werden.